Nach dem erneuten Scheitern in einer WM-Qualifikation ist Gabriele Gravina als Präsident des italienischen Fussballverbands FIGC zurückgetreten. Der 72-Jährige stand seit der 1:4-Niederlage n.P. im Playoff-Duell mit Bosnien-Herzegowina massiv unter Druck. Sogar aus der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni war er zum Rücktritt gedrängt worden.
Es ist offenkundig, dass der italienische Fussball neu aufgebaut werden muss.
Auch Sportminister Andrea Abodi sprach sich für eine Demission des seit 2018 amtierenden Verbandschefs aus. Teile des Parlaments schlossen sich dieser Forderung an. «Es ist offenkundig, dass der italienische Fussball neu aufgebaut werden muss. Dieser Prozess muss mit einer Erneuerung der Verbandsspitze beginnen», hatte Abodi gesagt.
Auch Buffon tritt ab
Neben Gravina hat auch Sportchef Gianluigi Buffon seinen Rücktritt erklärt. Dies teilte der Weltmeister-Torhüter von 2006 in einem emotionalen Post auf Instagram mit. Buffon hatte seine Demission nach eigenen Angaben intern schon eine Minute nach Abpfiff in Bosnien kommuniziert.
Er sei gebeten worden, seine spontanen Rücktrittsgedanken zu überdenken, schrieb Buffon: «Nun, da Präsident Gravina zurückgetreten ist, fühle ich mich frei das zu tun, was ich für verantwortungsvoll halte.» Trotz aller Überzeugung und Bemühungen sei es ihm nicht gelungen, Italien wieder zu einer WM zu führen.
Darf Gattuso weitermachen?
Italien hat sich zum dritten Mal in Folge nicht für eine WM qualifizieren können. Die Nachfolge an der Spitze des Verbandes soll nach einer Mitteilung am 22. Juni geregelt werden. Offen ist noch, ob Nationaltrainer Gennaro Gattuso weitermachen darf.
Als aussichtsreicher Kandidat für Gravinas Nachfolge gilt Giovanni Malagò, Ex-Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI). Auch populäre Namen, die Trainer Gattuso ablösen könnten, werden gehandelt. Napoli-Coach Antonio Conte beispielsweise, oder Roberto Mancini, Italiens Europameistertrainer von 2021.
Kritik an Politik
Während die Politik noch nach weiteren Schuldigen im Fussball sucht, riet Uefa-Präsident Aleksander Ceferin: Schaut doch mal in den Spiegel. «Die Politiker tragen mehr Schuld als Gravina», der sein erster Vize-Präsident bei der Europäischen Fussball-Union ist, sagte Ceferin. «Ihr habt hier eine der schlechtesten Fussball-Infrastrukturen Europas.»
Da sind die maroden Stadien, einerseits. Andererseits gibt es eine Fixierung auf ausländische Profis: Die AC Mailand stellte zuletzt nur einen Italiener in die Startelf, Tabellenführer Inter Mailand und Meister SSC Neapel je zwei. Nach 30 Spieltagen hat der beste einheimische Schütze der Serie A acht Tore erzielt.