Als der FC Lugano 2022 die Cup-Trophäe in den Berner Himmel stemmte, war dies eine absolute Ausnahmeerscheinung. Schliesslich sorgten die «Bianconeri» mit dem Finalsieg über St. Gallen für den bis heute einzigen Tessiner Triumph in diesem Jahrtausend.
Dass der «Leuchtturm» Lugano in Sachen Profifussballtum die Last des ganzen Kantons schultern muss, ist klarer denn je. Nach dem designierten Abstieg Bellinzonas aus der Challenge League verbleibt der Klub aus dem Sottoceneri ab kommender Saison als einziger Tessiner Vertreter im Profifussball. Dabei wären in der Sonnenstube der Schweiz insgesamt elf Vereine zu finden, die mindestens in der zweithöchsten Klasse agierten.
Kein Tessiner Geld für Fussball
Omar Gargantini, Kommentator bei RSI, sieht die Gründe dafür im grösseren Kontext: «Wirtschaftlich gesehen hat das Tessin nicht mehr die Kraft, mehrere Spitzenvereine zu unterstützen. Wir sind der Kanton mit den teuersten Krankenkassen und einer hohen Arbeitslosenquote. Im Fussball gibt es keine Tessiner Geldgeber mehr, die bereit sind, in den Erhalt einer Mannschaft zu investieren.»
In Lugano ist alles vorhanden, um eine Ära auf hohem Niveau einzuläuten.
Für die Fussballfans unter den Ticinesi sieht Gargantini nur eine Lösung: sich dem FC Lugano zuwenden. Dem aktuell Dritten der Super League will er eine goldene Zukunft nicht absprechen: «Sie hatten Glück, von einem sehr soliden Eigentümer übernommen worden zu sein. Jetzt gibt es das neue Stadion, also ist in Lugano alles vorhanden, um eine Ära auf hohem Niveau einzuläuten.»
Das Motto im Süden der Schweiz heisst also zumindest mittelfristig Spitze statt Breite. Gut möglich, dass die Cup-Trophäe auch in den nächsten Jahren wieder einmal ins Tessin wandert. Aber wohl kaum nach Bellinzona, Locarno oder ins Malcantone.