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Die Anfänge des FC Thun Der «Surchabisabe», weibliche Mitglieder und viel Geselligkeit

Aufsteiger Thun steht sensationell vor seinem ersten Meistertitel. Über die Ursprünge des immer schon etwas anderen Klubs.

Historisches Eckgebäude mit Geschäften und Personen auf der Strasse.
Legende: Geschichtsträchtiger Gasthof Im «Sternen» in der Schwäbisgasse wurde der FC Thun gegründet – und das gleich zweimal. thunensis.com

Diverse internationale Kamerateams waren am 11. April nach Thun gereist. Dass der Aufsteiger den nächsten Schritt zum wohl längst unvermeidlichen Meistertitel machen könnte, hatte über die Grenzen hinaus für Aufsehen gesorgt. Doch dann fing die Kabine des FC Basel Feuer, das Spiel musste um eine Woche verschoben werden. Die Journalistinnen und Journalisten aus dem Ausland zogen unverrichteter Dinge aus der Stockhorn Arena ab. Diese nächste kleine Volte in diesem Fussballmärchen – sie passt zum FC Thun, diesem Klub, der immer schon ein wenig anders war.

SRF-Reporter Mevion Heim ging 2012 im Rahmen seiner Bachelorarbeit den Ursprüngen des Klubs aus dem Berner Oberland nach. Wurden etliche Klubs wie GC oder Lausanne von englischen Studenten gegründet, waren bei Thun eher Vertreter der Mittelschicht federführend. In der Jubiläumsschrift zum 50. Geburtstag des FCT heisst es zur Gründung 1898: «Als sich im Gasthaus zum Sternen auf dem Marktplatz eine Schar junge Männer einfanden, die dem Beispiel anderer Städte folgend den Versuch unternahmen, auch in Thun einen Fussballclub zu gründen.»

Der bestbezahlte Mann war der Materialverwalter

Doch die Suche nach Mitgliedern gestaltete sich zunächst schwierig. Der Klub wurde nach 2 Jahren aufgelöst – zweieinhalb Jahre später aber wiederum im Sternen neu gegründet. Erstmals erhielt das Team einheitliche Kleidung («Muster Klein in Farbe weiss und rot»). Bestbezahltes Mitglied war der Materialverwalter, der 30 Franken Gratifikation erhielt. Die Beitrittskosten von 2,50 Franken wurden rasch auf einen Franken reduziert; «um unbemittelten Jünglingen u. Lehrlingen den Beitritt zum Verein zu ermöglichen», wie aus dem Versammlungsprotokoll vom 30. November 1905 hervorgeht.

Restaurantanzeige mit Karte und Angeboten der Familie Lüthi.
Legende: «Reichhaltige Tageskarte, 1a Weine, Gurtenbier» Postkarte des Restaurant Sternen. thunensis.com

Nebst der Offenheit für weniger vermögende Teile des Bürgertums waren auch Frauen beim FC Thun willkommen. Rund um die Neugründung 1905 gab es fünf weibliche Passivmitglieder. Bevorzugt waren dabei Wirtinnen von Gasthäusern. Schliesslich – und das wird immer wieder in den alten Schriften erwähnt – wurde Geselligkeit im Verein grossgeschrieben. Höhepunkt dieser war der alljährliche «Surchabisabe». Zu diesem heisst es: «Besonders anziehend waren der Gerstensaft, Surchabis, Musikbegleitung [...], welche ca. 30 trinklustige Passiv & Activmitglieder [sic!]» anlockte.

Über 100 Jahre später versucht sich der oft als «kleine Bruder» der Young Boys bezeichnete Klub aus dem Berner Oberland diese familiäre Stimmung zu bewahren. Was dabei neu ist: dass grosser sportlicher Erfolg damit einhergeht. Und dieser ist mit dem bevorstehenden Meistertitel derart beachtlich, dass er sogar international hohe Wellen schlägt.

Super League

Radio SRF 4 News, Morgenbulletin, 11.04.2026, 10:32 Uhr ; 

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