Am 7. April 2013 war es so weit: Martin Rueda musste bei YB nach einem 0:2 gegen Schlusslicht Servette den Hut nehmen. Bernard Challandes übernahm die Young Boys interimistisch, büsste jedoch noch einen Rang ein und schloss die Saison auf Rang 7 ab. Es war das letzte Mal, dass die Berner die europäischen Ränge verpassten.
Das letzte Mal bis jetzt, muss man sagen. Denn nach dem 0:1 bei Lugano, ausgerechnet an Thuns Meister-Sonntag, steht fest: Die Young Boys können drei Spieltage vor Saisonende nicht mehr die Top Vier erreichen, die im besten Fall die Schweizer Flagge europäisch vertreten dürfen.
Ein bedienter Loris Benito erklärte im Tessin mit Gruss an den kleinen Bruder: «Heute war der Tag der Entscheidungen. Gratulation an Thun. Aber wir sind sehr enttäuscht, das Spiel fasst unsere Saison zusammen: nicht genügend in den Offensivaktionen. Es war zu wenig Kampf, wir haben müde gewirkt. Wir waren nicht gut genug und müssen die Kräfte für nächste Saison bündeln.»
Blamagen gegen Panathinaikos, PAOK und Aarau
Es ist in der Tat bereits jetzt das passende Ende einer durch und durch verkorksten Spielzeit. In der Europa League halfen nach peinlichen Pleiten gegen Panathinaikos (1:4) und PAOK (0:4) auch der Prestige-Erfolg über Lille und gute Leistungen gegen Aston Villa und Lyon nichts mehr. Im Schweizer Cup war die Hürde FC Aarau in den Sechzehntelfinals bereits zu hoch.
In der Meisterschaft wurde das Label «Favorit» rasch fadenscheinig. Nach 11 Spieltagen musste Giorgio Contini YB auf Rang 5 liegend verlassen. Die Rückkehr von Meistertrainer Gerardo Seoane brachte diesbezüglich keine Verbesserung. In der Offensive musste sich mit Chris Bedia der beste Ligatorschütze fast immer hinter dem teuren Neuzugang Samuel Essende einreihen.
Die löchrigste Abwehr jenseits von Zürich
Und die Defensive? Gäbe es die drei Klubs aus dem Kanton Zürich nicht, sie wäre die schwächste der kompletten Super League. 63 Gegentore hat man kassiert – deren zehn alleine gegen die ansonsten der Gefährlichkeit nicht besonders verdächtigen Grasshoppers. Nicht zuletzt, weil die vermeintlichen Leader im teuren, aufgeblähten Kader selten überzeugten. Gregory Wüthrich war an etlichen Gegentreffern mitschuldig, ebenso Edimilson Fernandes, dessen Körpersprache hin und wieder als gelebte Lustlosigkeit ausgelegt werden durfte.
Nun steht «Gelbschwarz» und vor allem dem technischen Direktor Mathieu Béda ein neuerlicher Umbruch bevor. Der Kader wird ohne europäische Nächte entschlackt werden. Denn Rang 6 entspricht längst nicht mehr den Ansprüchen jenes Klubs, der zwischen 2018 und 2024 nur einmal nicht Meister wurde.