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Isoz über den drohenden Schaden im Schweizer Fussball (Radio RTS)
abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
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Ex-Direktor der Liga Edmond Isoz: 100 Millionen könnten den SL-Klubs flöten gehen

Der ehemalige Direktor der Swiss Football League beziffert den finanziellen Schaden, welcher den Super-League-Klubs droht.

Im Interview mit Radio RTS sagte Isoz: «Den Schweizer Klubs drohen fehlende Einnahmen im Wert von ungefähr 100 Millionen Franken.» Isoz' Schätzung ist nachvollziehbar. Das Gesamtbudget der 10 Super-League-Klubs beträgt zwischen 250 und 300 Millionen. Ein Drittel der Einnahmen würde wegfallen, sollte das letzte Drittel der Meisterschaft nicht ausgespielt werden können.

Es ist unabdingbar, dass man über Geisterspiele nachdenkt. Denn neben den TV-Einnahmen geht es auch um alle anderen Partner, welche den Fussball unterstützen und sich sonst zurückziehen.
Autor: Edmond Isoz

Wirtschaftlich sei deshalb eine Fortsetzung der Saison zum gegebenen Zeitpunkt wünschenswert – auch mit Geisterspielen. «Aber die Spieler haben das Anrecht auf 3 bis 4 Wochen Vorbereitungszeit. Vielleicht kann man dann bereits wieder vor Zuschauern spielen», führte der ehemalige Verteidiger von Étoile Carouge und Sion aus.

Geisterspiele nicht attraktiv, aber ...

Für die Super League macht das TV-Geld – es dürften rund 35 Millionen Franken pro Saison sein – einen relativ kleinen Anteil an den gesamten Einnahmen aus. Bedeutender sind die Einkünfte aus dem Ticketverkauf. Sie decken im Durchschnitt rund einen Drittel des Budgets eines Super-League-Klubs.

Spiele ohne Zuschauer sind für die Schweizer Topklubs nicht lukrativ. Das weiss auch Isoz, der die Schweiz mehrere Jahre im Vorstand der EPFL (Vereinigung der europäischen Profi-Ligen im Fussball) vertrat. Dennoch sagt der 70-Jährige: «Es ist unabdingbar, dass man über Geisterspiele nachdenkt. Denn neben den TV-Einnahmen geht es auch um alle anderen Partner, welche den Fussball unterstützen und sich sonst zurückziehen.»

In Deutschland würden 750 Millionen Euro fehlen

Deutschland tat sich schwerer damit, die Saison zu unterbrechen, als die Schweiz. Die Bundesliga-Klubs werden deshalb alles daran setzen, so bald wie möglich den Betrieb mit Geisterspielen wieder aufzunehmen.

Denn ein Abbruch der Saison zum jetzigen Zeitpunkt würde für die Bundesligisten 750 Millionen Euro weniger Einnahmen bedeuten, errechnete die Deutsche Fussball Liga. Die entgangenen TV-Gelder aus dem mit 1,16 Milliarden Euro pro Saison dotierten Vertrag wären für die Hälfte des Ausfalls verantwortlich.

Im Mai sollen die Bundesliga-Rechte für die Saisons 2021/22 bis 2024/25 vergeben werden. Bislang rechnete die Deutsche Fussball Liga mit einem signifikanten Anstieg der TV-Einnahmen für jene Periode.

Frankreich: Canal+ stoppt fällige Auszahlung

Dass die Ligen wohl nicht mit einer grenzenlosen Solidarität der ebenfalls gebeutelten TV-Sender rechnen können, zeigt sich in Frankreich, wo Canal+ die nächste fällige Auszahlung für Anfang April (110 Millionen Euro) zurückbehalten will. Gemäss L'Équipe sind insgesamt noch 280 Millionen Euro fällig.

In Spanien und Italien dürfte es um einen ähnlichen Betrag gehen. In England müssten die Klubs gemäss der Website The Athletic 853 Millionen Euro an die übertragenden nationalen TV-Sender zurückzahlen, sollte die Saison nicht wieder aufgenommen werden.

Radio SRF 4 News, Mittagsbulletin vom 25.03.2020;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Renato Longa  (Staibock)
    Das im Fussball unverhältnismässige Gelder zirkulieren ist kein neues Wissen. In der jetzigen Krise wird sichtbar wie der Fussball für monitäre Beschleunigung missbraucht wurde/wird. Der Fussball kann die Krise als Chance nutzen diese krankhafte Entwicklung zu hinterfragen und neu aufzugleisen. Weiterhin werden die einfachen Angestellten im öffentlichen Leben sich bei spannenden Fussball Events entspannen wollen, sei es im TV oder im Stadion. Verhältnismässigkeit ist gefragt.
  • Kommentar von Heiner Zumbrunn  (Heiner Zumbrunn)
    100 Millionen Herr Isoz?
    Was ist das Problem. 100 Millionen ist ein Klacks zu dem, was viele verlieren. Dinge aus dem Lebensnotwendigen. Wie Firma, Beruf, Zukunft, Vertrauen. Bei Ihnen ein paar Tore. Brot und Spiele sagten schon die Römer. Das klappt meistens. Ich denke, dieses Mal nicht. Nächste Saison wieder. Vielleicht. Wie bei Eishockey. NB. Wie viel verlieret Eishockey oder Handball? Wenn schon, müsste man alle Sportarten mit der gleichen Summe unterstützen.