Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Machtwechsel in St. Gallen? Ära Hüppi scheint am Ende – Regierungsrat schaltet sich ein

Wenige Tage nach dem Cupsieg soll es beim FC St. Gallen zu einem Führungswechsel auf höchster Stufe kommen. Das beschäftigt sogar die Regierung.

Bereits im Interview nach dem Cupsieg hatte Präsident Matthias Hüppi angedeutet, dass nicht alles im Reinen ist. «Es ist unvorstellbar, dass in der besten Phase in der Geschichte nicht alle geschlossen hinter dem Klub stehen», sagte der 68-Jährige. Nur wenige Tage nach dem grössten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte – und der Krönung der Ära Hüppi – soll es in der Klubführung nun zu einem grösseren Umsturz kommen.

Neuer Verwaltungsrat mit Marwin Hitz

Die bisherigen Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Benedikt Würth werden per 30. Juni ausserordentlich aus dem VR ausscheiden. «Vier Verwaltungsräte sind zurückgetreten, das Aktionariat war dazu gezwungen, einen neuen VR aufzustellen. Sie sind vor fünf, sechs Wochen auf mich zugekommen. Sie sehen sich extrem unter Druck», sagte Stefan Kölliker gegenüber SRF. Zudem bestätigte er, dass er Präsidenten-Absichten hegt. Auf ein Angebot zur Weiterführung des Präsidentenamtes unter neuem VR sei Hüppi nicht eingegangen.

Statement von Matthias Hüppi und Medienkonferenz

Box aufklappen Box zuklappen

Nachdem Matthias Hüppi während des ganzen Dienstags nicht erreichbar war, folgte abends um 17:30 Uhr ein Statement des Vereins, wo der FCSG-Präsident zitiert wird: «Wir arbeiten gemeinsam mit dem Aktionariat mit Hochdruck an einer tragfähigen und guten Lösung für unseren FC St. Gallen 1879. Ich werde alles daransetzen, dass wir unseren Weg in einem konstruktiven Geist und Klima sowie mit einem Höchstmass an gegenseitigem Vertrauen fortsetzen können.»

Der FC St. Gallen lädt zudem zu einer Medienkonferenz, wo er weiter informieren will. Diese findet am Mittwoch um 11 Uhr statt. Mit Matthias Hüppi und den Aktionären Philipp Bienz und Reto Preisig (Schützengarten).

«Ich habe 16 Jahre Erfahrung als Regierungsrat und hatte immer engen Kontakt mit dem FC St. Gallen», so Kölliker über die Ambition, Hüppi zu beerben. Kölliker sehe den aufgegleisten Machtwechsel nicht als «Putsch», die Aktionäre seien zu diesem Schritt gezwungen worden, hätten diesen aber gezielt erst nach dem Cupfinal gemacht. Noch-Verwaltungsrat Würth wiederum meinte im Tagblatt: «Ich wurde Mitte März darüber informiert, dass Patrick Gründler und ich nicht mehr erwünscht seien. Die Gründe dafür kenne ich allerdings bis heute nicht.» Dazu wollte sich Kölliker nicht äussern.

Die Regierung ist der Auffassung, dass eine erzwungene Ablösung des Verwaltungsrats [...] das verbindende Moment des Cupsiegs in Frage stellt.

Gemeinsam mit dem ehemaligen SVP-Regierungsrat Kölliker werden demnach der frühere Nati-Goalie Marwin Hitz, Urs Baumer und Martina Wüthrich neu Einsitz im Verwaltungsrat haben. Patrick Thoma, der erst im Herbst in den Verwaltungsrat gewählt worden war, soll weiterhin Teil davon sein. Thoma hält in der FC St. Gallen Event AG rund 15 Prozent der Aktien.

Dem Vernehmen nach wollte Hüppi mit den alten Mitgliedern weitermachen und ist mit der neuen Zusammensetzung nicht einverstanden. Er hatte immer betont, Grossaktionäre aus dem Verwaltungsrat fernhalten zu wollen, um Unabhängigkeit zu wahren.

Regierungsrat mahnt, Fans stellen sich hinter Hüppi

Der St. Galler Regierungsrat schaltete sich am Dienstagmorgen schliesslich auch noch ein. In einer Mitteilung hiess es nach Worten der Gratulation: «Die Regierung ist der Auffassung, dass eine erzwungene Ablösung des Verwaltungsrats zum jetzigen Zeitpunkt – unmittelbar nach dem grössten sportlichen Erfolg seit Jahrzehnten – das verbindende Moment des Cupsiegs in Frage stellt. Sie birgt das Risiko, das über Jahre aufgebaute Vertrauen in die Clubführung zu erschüttern, den Rückhalt bei Fans, Bevölkerung und Sponsoren zu gefährden und das Ansehen sowohl des Clubs nach innen und aussen zu beschädigen.»

Die Fans des FC St. Gallen haben von den Unruhen mitbekommen und stärkten ihren aktuellen Präsidenten sowie den Verwaltungsrat. «Wir stellen uns klar hinter einen unabhängigen, stabilen und verantwortungsvollen Verwaltungsrat, der den Verein in den vergangenen Jahren erfolgreich geführt hat», schrieb eine Fan-Gemeinschaft auf der Website einefueralli.ch.

Schweizer Cup

SRF zwei, sportlive, 24.05.2026, 13:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel