Kurz nach dem Spiel war Christian Fassnacht alles andere, als beschwingt. Trotz seines 100. Tores im YB-Trikot wählte er im Interview ein anderes Wort mit den Anfangsbuchstaben «besch...». In St. Gallen hatte er im Rahmen der 24. Super-League-Runde in der Nachspielzeit zum grossen Meilenstein eingeköpfelt. Es blieb dennoch bei der Niederlage. Die Berner Baisse hält an, Fassnachts Frust steigt. Wettbewerbsübergreifend gab es in den letzten 9 Partien nur gerade 1 Sieg.
Es war einmal: Die «YB-Viertelstunde»
Da half auch Fassnachts Tor, das in die legendäre «YB-Viertelstunde» fiel, wenig. Die Hypothek war schon zu gross. Einmal mehr das zentrale Problem? Sozusagen das Gegenteil ebenjener «YB-Viertelstunde»: die ersten 15 Minuten nach dem Anpfiff. Nach 11 Minuten lag man 0:2 hinten. Das Verschlafen des Anpfiffs hat mittlerweile Methode. Auch in der Europa League, als «Gelbschwarz» beim 2:3 gegen Stuttgart nach 7 Minuten bereits zwei Gegentreffer kassiert hatte, kam der Dornröschenschlaf teuer zu stehen.
Nur Servette schläft tiefer
Der regelmässige Kaltstart lässt sich mit Zahlen belegen. In der bisherigen Meisterschaft musste Marvin Keller den Ball schon 11 Mal nach der Startviertelstunde aus dem Netz fischen. Nur Servette (13 Gegentore) ist in dieser Hinsicht noch vulnerabler. Ein messbarer Aufwärtstrend ist unter Rückkehrer Gerardo Seoane nicht festzustellen. Der vermeintliche Heilsbringer hält in der Super League nach 13 Partien bei einem Punkteschnitt von 1,15. Europa League eingerechnet, beträgt dieser gar nur einen Zähler pro Partie.
Vielleicht hilft Winterthur dabei, die Bilanz etwas aufzupolieren? Das abgeschlagene Schlusslicht reist am Samstag ins Wankdorf. Patrick Rahmens Equipe liess sich beim 0:3 am Mittwoch gegen den FC Zürich ebenfalls schon nach 7 Minuten ein erstes Mal übertölpeln. Und: Der FCW holte – genau wie YB, aber mit einem Match weniger – in den letzten 7 Spieltagen nur 4 Pünktchen, Liga-Tiefstwert. Nur der FCW hat insgesamt mehr Gegentore kassiert als die Young Boys (61 gegenüber 48).
Valentinstags-Geschenke von Winterthur?
Man darf gespannt sein, wer nun wem am Valentinstag mehr Tore (ein)schenkt. Während das letzte Direktduell im Wankdorf mit 5:0 klar zu Gunsten der Gastgeber ausgegangen war, war die Bilanz zuletzt ausgeglichen. In den 4 Partien seit 2025 gab es je 1 Sieg und 2 Remis. Jedenfalls würden beide Teams gut daran tun, zumindest die ersten 15 Minuten schadlos zu überstehen.
Apropos «YB-Viertelstunde»: Diese eingangs erwähnte Stärke der Berner, zum Schluss einer Partie noch einen höheren Gang zu finden, gibt es seit über 100 Jahren. Sie stand zudem am Ursprung der Serienmeisterjahre von 2018 bis 2024. Doch trotz Fassnachts spätem Jubiläumstor gegen St. Gallen scheint die «YB-Viertelstunde» aktuell zu ruhen. Stellte man eine Tabelle der Resultate zwischen der 76. Minute und dem Abpfiff auf, YB wäre nur auf Rang 7.