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Thuner Meistermärchen Andres Gerbers Mut lebten die Spieler mehr als nur nach

Der Thuner Präsident hielt einen Coup früh für möglich. Trainer und Spieler setzten das Meisterpuzzle perfekt zusammen.

Fussballspieler feiern auf dem Spielfeld.
Legende: Wie wichtig war der Wohlfühlfaktor? Präsident Andres Gerber herzt Aussenverteidiger Michael Heule. Keystone/Anthony Anex

Am 26. Oktober 2025 war Andres Gerber zu Gast im «Sportpanorama». Gespielt waren zu diesem Zeitpunkt 10 Runden in der Super League. Der FC Thun belegte in der Tabelle Platz 1.

In Schweden war gerade Mjällby zur Meisterschaft gestürmt. Ein Klub aus einem Fischerdorf, der vor neun Jahren knapp den Fall in die Viertklassigkeit abwenden konnte. Auf die Frage, ob man sich auch in Thun mit dem Szenario Meistertitel auseinandersetze, sagte Präsident Gerber: «Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Es gehört dazu, dass man träumt. Ich würde das jetzt nicht gerade kategorisch ausschliessen. Man darf auch ein bisschen mutig sein.»

Ein halbes Jahr später ist es vollbracht: Thun hat die wohl sensationellste Geschichte eines Meisters geschrieben, die es im Schweizer Klubfussball je gegeben hat. In der Saison 1951/52 schaffte zwar auch GC das Kunststück, als Aufsteiger den Titel zu holen – allerdings unter komplett unterschiedlichen Voraussetzungen. Die Zürcher waren damals schon eine Grösse im nationalen Fussball.

Kein knapper Ausgang

Man habe die Siege schliesslich nicht gestohlen, meinte Gerber beim Auftritt im SRF-Studio auch noch. Dieses Muster setzte sich fort. Bereits 3 Runden vor dem Ende der Saison ist der grösste Erfolg der Klubgeschichte Tatsache.

Mit schnörkellosem, mutigem und effizientem Fussball haben die Berner Oberländer unter Baumeister Mauro Lustrinelli die Spitze erklommen. Allenfalls profitierten sie vom Unvermögen der «Grossklubs» Basel und YB. Glück nahmen sie aber keines in Anspruch.

Die Thuner Meistermacher

Stabilität und Vertrauen als Schlüssel

Spieler und Staff betonen bei jeder Gelegenheit die familiäre Atmosphäre, die im Klub vorherrscht. Sie und der Teamgeist haben das ihre zum Wunder beigetragen.

Während bei der Konkurrenz Trainer reihenweise ausgewechselt wurden, profitierte die Mannschaft von einem vertrauensvollen Umfeld und über die Jahre gewachsenen Strukturen. Spieler, die andernorts in ihrer Entwicklung stagniert hatten, blühten regelrecht auf.

Nächste Saison nimmt Thun Anlauf, zum zweiten Mal nach 2005/06 (damals als Vizemeister) in die Champions League vorzustossen. Der Weg dürfte steinig werden, steigt man doch schon in der 2. Quali-Runde ein. Wie das Kader am Ende des Sommers aussehen wird, steht ebenfalls in den Sternen.

Welche Spieler werden abgeworben?

Zwar haben praktisch alle Leistungsträger weiterlaufende Verträge. Abgänge wird es aber naturgemäss geben. Diese dürften immerhin die Klubkasse füllen. Akteure wie Topskorer Elmin Rastoder, Ethan Meichtry oder Michael Heule haben ihren Marktwert deutlich gesteigert. Bei Kastriot Imeri, der von YB ausgeliehen ist, könnte die Kaufoption gezogen werden.

Auch Trainer Lustrinelli dürfte beim einen oder anderen grösseren Klub Begehrlichkeiten wecken. Bisher war der Tessiner, der im Berner Oberland eine zweite Heimat gefunden hat, seinem FCT treu ergeben. Anzeichen, dass sich das ändern wird, gibt es momentan nicht.

Die Zukunft kommt ohnehin noch früh genug. Zunächst werden im 44'000-Seelen-Städtchen heroische Taten gefeiert – im Hier und Jetzt.

Super League

SRF zwei, Sportlive, 02.05.2026, 20:10 Uhr ; 

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