Gennaro Gattuso hat nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation seine Zukunft als Nationaltrainer Italiens offen gelassen. «Ich habe heute überhaupt kein Interesse daran, über meine Zukunft zu sprechen», sagte der 48-Jährige unmittelbar nach dem 1:4 im Elfmeterschiessen im Playoff-Duell gegen Bosnien-Herzegowina. «Wir sollten hier über Italien sprechen, über das blaue Trikot, darüber, dass es ein weiterer Rückschlag ist, auch wenn wir es diesmal nicht verdient haben.»
Der 48-jährige Ex-Profi ist an dem klaren Ziel, den vierfachen Weltmeister an die WM im Sommer zu führen, gescheitert. Italiens Fussball verpasst wie schon 2018 und 2022 das Endturnier und steht deswegen personell vor einer Zäsur, die auch Gattuso treffen könnte. «Ich persönlich entschuldige mich bei den Italienern. Ich habe es nicht geschafft. Es tut so weh», sagte der Coach.
«Die Tragik ist Gewohnheit»
Auch in der heimischen Medienlandschaft ist man entsetzt ob des nächsten Rückschlags. Ein Überblick:
Gazzetta dello Sport: «Der Albtraum geht weiter: Italien erlebt seine dritte Apokalypse, die noch schlimmer ist als die beiden vorherigen. Italien hat das Gefühl für den Schock, für die Katastrophe verloren. Das Fehlen bei der WM wird zur Normalität. Von einer WM wird man erst wieder um das Jahr 2030 sprechen können, 16 Jahre nach unserer letzten WM-Teilnahme.».
Corriere dello Sport: «Das Verpassen der WM ist nicht nur ein Flop, sondern die Pleite eines ganzen Systems, eine strukturelle Krise. Diese Blamage zeigt, dass das Fundament des gesamten Projekts nicht trägt. Der ganze Mechanismus funktioniert nicht mehr.»
Corriere della Sera: «Inzwischen werden unsere Teenager die erste Generation von Italienern sein, die ohne die Erinnerung an die Italiener bei einer WM aufwachsen. Wir trösten uns mit Sinner und Antonelli, doch das ist nicht dasselbe».
La Repubblica: «Eine nationale Schande! 20 Jahre nach dem WM-Sieg in Berlin muss Gattuso eine dramatische Blamage hinnehmen. Die Tragik ist inzwischen für Italien zur Gewohnheit geworden. Diese Niederlage ist nicht das Scheitern eines Projekts, sondern seine komplette Abwesenheit.»