Auch in Winterberg wurde es nichts mit dem angepeilten ersten Saisonpodest des Schweizer Bobteams. Michael Vogt musste sich im Zweier nach zwei 4. Rängen in Sigulda nach missratenem 1. Lauf mit Platz 8 begnügen. Melanie Hasler, auch sie mit Rang 4 in Lillehammer den Top 3 in diesem Winter schon extrem nahe, wurde 5.
Die Heimrennen im Olympia Bobrun mit Start in St. Moritz und Ziel in Celerina kommen genau richtig. Nach den genannten drei 4. Plätzen und insgesamt deren 22 in den Top 8 scheint die Zeit reif für den ersten Schweizer Podestplatz der Saison. Es wäre gleichbedeutend mit EM-Medaillen, da die Weltcuprennen gleichzeitig als kontinentale Titelkämpfe zählen.
Im letzten Winter in Lillehammer gewannen Hasler Silber im Monobob und Vogt mit seiner Crew Bronze im Vierer. Im Hinterkopf schwingt aber trotz der Motivation, vor Heimfans anzutreten, das übergeordnete Ziel. Der Name des Eiskanals im Oberengadin ist tatsächlich Omen. St. Moritz ist gleichzeitig die Hauptprobe der Teams, wie sie bei Olympia anschieben sollen. Und die Chance, noch die nötigen Punkte für die Olympia-Normen zu ergattern.
Hasler und Vogt gesetzt
Je zwei Pilotinnen und Piloten dürften gesetzt sein. Hasler und Vogt sind die klaren Nummern 1 und haben die Selektionskriterien von Swiss Olympic erfüllt. Debora Annen gelang dies bislang nur im Zweier, im Monobob hat sie aber die «B-Limite». Zudem wird die Tochter des dreifachen Olympiamedaillen-Gewinners Martin Annen vom Juniorinnenbonus profitieren können.
Der Engadiner Cédric Follador hat die Selektion (noch) nicht ganz in der Tasche, kann aber auf der Heimbahn die letzten Zweifel ausräumen. Auch er erfüllt die tieferen Standards von Swiss Olympic.
Komplizierter ist der Weg für Inola Blatty und Timo Rohner. Zum einen müssen sie der Schweiz noch den jeweiligen dritten Quotenplatz sichern, zum andern die Kriterien des nationalen Dachverbands erfüllen. Mit einem 7. und einem 8. Platz hat Blatty die untere Norm erfüllt und würde als Weltcup-Debütantin mit Zukunftspotenzial wohl selektioniert. Etwas harziger erscheint der Weg für Rohner. Ihm fehlt ein Top-Ten-Platz im Weltcup.
Kora könnte Geschichte schreiben
Von der Anzahl selektionierter Schlitten hängt das Glück der Anschieber ab. Nach Leistungstests kurz vor dem Jahreswechsel auf der Anschiebebahn in Oberhof steht die Rangordnung der Hinterleute grundsätzlich fest. Die Besetzung der Teams in St. Moritz gibt einen deutlichen Hinweis auf die Anschieber bei Olympia.
Bei den Frauen zeichnet sich dabei Historisches ab. Salomé Kora dürfte mit dem ersten Training am 17. Februar zur ersten Schweizer Frau werden, die bei Olympischen Sommer- und Winterspielen teilnimmt. Die Spitzensprinterin und Bobdebütantin hat sich als zweitschnellste Anschieberin hinter Haslers Co-Pilotin Nadja Pasternack etabliert und wird in St. Moritz und aller Wahrscheinlichkeit nach in Cortina Annen anschieben.