Es ist eine kleine Revolution im hiesigen Frauen-Curling: Erstmals seit 2019 vertritt nicht das Team von Silvana Tirinzoni das Schweizerkreuz an Weltmeisterschaften. Die Final-Niederlage an den nationalen Meisterschaften hatte zur Folge, dass das GC Team Schwaller nach Kanada reist. Im Canada Olympic Park in Calgary geht es vom Samstag bis am 22. März um WM-Medaillen.
Überrascht von ihrem Coup sind Xenia Schwaller, Selina Rychiger, Fabienne Rieder und Selina Gafner nicht. Das junge Team – alle Akteurinnen sind zwischen 22 und 23 Jahre alt – spurte entsprechend schon in der Planung vor. Termine Mitte März? Präventiv abgesagt.
Skip Xenia Schwaller, Cousine des frischgebackenen Olympia-Bronzegewinners Yannick Schwaller, erklärt: «Es war die ganze Saison unser Ziel. Der Sieg an den Schweizer Meisterschaften hat uns nicht überrascht.» Freilich, das Team Tirinzoni habe ein enormes Standing, sei die Weltnummer 1, aber: «Was andererseits viele Leute nicht wissen: Vor zwei Jahren verloren wir in Genf den Final gegen sie ganz knapp und auch im Vorjahr standen wir im Final.»
Dennoch ist der Respekt vor den Fussstapfen, die der CC Aarau hinterlässt, gross. Bei sechs Teilnahmen wurde das Aarauer Quartett vier Mal Weltmeister und holte zweimal Silber. «Sie waren unsere Vorbilder, wir haben zu ihnen hochgeschaut. Das hat uns motiviert. Ohne sie wären wir nicht an dem Punkt, an dem wir jetzt sind», schwärmt Schwaller.
Natürlich habe man noch wenig Erfahrung auf Elite-Niveau, räumt Schwaller ein, «aber irgendwo muss man ja mal anfangen». Druck spüre man mit dem Schweizerkreuz ohnehin immer. Doch letztlich sei es ein Privileg. Teamkollegin Gafner meint auf die WM-Ziele angesprochen: «Welches Team träumt schon nicht von einer WM-Medaille? Wenn wir an unsere Leistungen anknüpfen, ist eine Medaille möglich.»
Drittbest-klassiertes Team in Calgary
Zu hoch gegriffen muss der Edelmetall-Wunsch nicht sein. Die Junioren-Weltmeisterinnen von 2024 nehmen in der Weltrangliste immerhin Rang 6 ein. Von den teilnehmenden WM-Teams sind einzig Südkorea (Eun ji Gim) und Kanada (Kerri Einarson) besser klassiert. So gesehen befindet sich der Grasshopper Club Zürich nominell in den Medaillenrängen.
Der Austragungsort könnte ebenfalls ein gutes Omen sein: In Calgary eroberte die Schweiz 2021 WM-Gold. Sollte es gleich bei der Turnier-Premiere mit dem Coup klappen – vielleicht würden Skip Schwaller und Co. auch dann voller Selbstvertrauen sagen: «Überrascht? Sind wir nicht.»