Selina Rychiger, Fabienne Rieder, Selina Gafner und Xenia Schwaller haben an der Curling-WM den Coup perfekt gemacht. Das junge Schweizer Team spielte im Final so konzentriert auf wie während des ganzen Turniers und brachte den WM-Titel nach Hause, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt – notabene in Calgary gegen Gastgeber Kanada.
«Ich kann es noch gar nicht realisieren. Die letzten 24 Stunden, aber auch die letzten zwei Wochen waren wie ein Traum. Es ist krass, dass wir das geschafft haben», sagte Skip Schwaller nach dem 7:5-Erfolg.
An den Schweizer Meisterschaften die Olympia-2. bezwungen
Das Märchen begann eigentlich noch ein bisschen früher, nämlich am 28. Februar in Bern. In der Best-of-3-Serie um den Schweizer-Meister-Titel und das WM-Ticket geriet das Team von Skip Schwaller gegen die viermaligen Weltmeisterinnen und Olympia-Silbermedaillengewinnerinnen um Silvana Tirinzoni mit 0:1 in Rückstand. Die Spiele 2 und 3 gewann aber das Team des CC Grasshoppers – beide Male nach Rückständen.
Entsprechend fühlte es sich «schon etwas surreal» an, gestand Schwaller gegenüber Keystone-SDA, «als wir vor anderthalb Wochen in Calgary waren und unsere erste WM vorbereiteten». Der Start missriet gründlich. Die erste Partie gegen Japan ging mit 3:6 verloren.
Dann aber starteten Rychiger, Rieder, Gafner und Schwaller durch. Sie reihten bis zum Gewinn der Goldmedaille 13 Siege aneinander. In der K.o.-Phase setzte das Team den Lauf aus der Round Robin im Halbfinal gegen Schweden und im Final gegen Kanada einfach fort. «Dass wir in diesen Partien durchziehen konnten, macht mich stolz. Der Druck war nach so einer guten Woche extrem hoch», meinte Schwaller.
Lob vom unterlegenen Finalgegner
Die vier Schweizerinnen mit dem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren und dem bescheidenen Jahresbudget von gut 100'000 Franken überraschten so alle – aber nicht sich selbst. «Nicht viele haben an uns geglaubt, auch in der Schweiz nicht», so Schwaller. «Aber ich habe mir gedacht: Wenn wir spielen, wie wir es können, ist eine Medaille realistisch. Und so, wie wir dann aufgetreten sind, ist das heute einfach verdient.»
Das grösste Lob erhielten die vier Schweizerinnen von den Kanadierinnen, die sie zum zweiten Mal im Turnier besiegten (nach dem 6:5 in der Vorrunde). Skip Kerri Einarson (38) sagte, dass den Schweizerinnen «praktisch jeder Stein gelungen ist. Sie gaben uns kaum Chancen.»