Olympische Spiele sind auch immer die Zeit der Glücksritter. In 116 Wettbewerben geht es um Gold, Silber und Bronze. Und für den Sportwetten-Fan darum, die Überraschung mit entsprechend hoher Quote vorherzusagen. Etwa wie 2002 in Salt Lake City, als Steven Bradbury im Short Track triumphierte, weil alle vor ihm in der letzten Kurve stürzten. Oder Tanja Friedens «Plämpu»-Moment 4 Jahre später in Turin.
Kaum schnellen Reichtum gewinnen wird man mit einem gewagten Siegerinnentipp im olympischen Eishockey-Turnier der Frauen. Läuft alles normal, dürften Kanada (5x Champion) und die USA (2x) Gold unter sich ausmachen. In den bisherigen 7 Austragungen duellierten sich diese beiden Grossnationen des Eishockeys 6 Mal im Final. Einzig 2006 durchbrachen die Schwedinnen die Phalanx mit einem Halbfinal-Triumph über die USA. Am Sonntag gab auch Lara Stalder im «Sportpanorama» zu Protokoll: «Kanada und die USA sind vorneweg.»
Erfahrung vs. Jugend
Das nächste Duell der Eishockey-Grossnationen wird auch eines zweier Philosophien. Die Kanadierinnen setzen auf geballte Ladung Erfahrung. Um die Superstars Marie-Philip Poulin und Sarah Nurse (die mit 18 Skorerpunkten 2022 Olympia-Rekord aufstellte) scharen sich insgesamt 16 Teilnehmerinnen, die schon in Peking dabei waren.
Die USA gehen mit einem deutlich jüngeren Kader auf die Mission Olympiagold. Nur 11 Akteurinnen von vor 4 Jahren wurden aufgeboten, dafür 7 College-Spielerinnen. Das hängt wohl mit dem letzten Turnier zusammen: Superstar Brianna Decker musste im Eröffnungsspiel nach wenigen Minuten auf der Trage vom Eis gebracht werden. Olympia war für das Mitglied der Hall of Fame beendet, die Karriere ein Jahr später ebenfalls.
4 Spiele für ein US-Halleluja
Nun folgt die gezielte Abkehr davon, zu viel Druck auf ein einziges Schulterpaar zu laden. Experten und Buchmacher sehen das US-Team leicht im Vorteil. Nicht zuletzt, weil Kanada zuletzt im Direktduell Ende 2025 zumeist kein gutes Bild abgab. Die 4 Spiele umfassende «Exhibition Rivalry Series» endete mit dem Gesamtskore von 24:7 – zu Ungunsten der «Ahornblätter». Spiel 3 gewannen die USA gleich mit 10:4 – Negativrekord für die Kanadierinnen.
Dabei wurde augenscheinlich, dass es Kanada am Tempo mangelt. Poulin meinte anschliessend: «Das ist inakzeptabel. Uns ist das allen bewusst.» Ob ihre Equipe die richtigen Lehren daraus ziehen kann, wird man spätestens im Vorrunden-Direktduell am 10. Februar sehen. Und aller Voraussicht nach 9 Tage später im Final.
Für den Rest geht's um Bronze
Die Schweizerinnen wiederum peilen die Wiederholung des Bronze-Coups von Sotschi an. Helfen könnte der Modus – wie 2014: Denn in der stärkeren Gruppe A qualifizieren sich alle 5 Teams für die Viertelfinals – eine erfolgreiche Vorrunde könnte lediglich mit einem leichteren Viertelfinalgegner belohnt werden. Zu Bronze genügen zwei Siege: im Viertelfinal und, nach der zu vermutenden Niederlage im Halbfinal gegen die USA oder Kanada, im Spiel um Platz 3.
Bronze für die Schweiz – es wäre die Wiederholung einer Sternstunde. Bronze für die USA oder Kanada hingegen käme beiderseits einer absoluten Schmach gleich. Oder, im Falle eines wagemutigen Wetters, einem Geldsegen.