Es gab auch kritische Stimmen, als Andy Schmid als Nationalcoach eingesetzt wurde, da er das Amt im Februar 2024 mit keinerlei Erfahrung in Angriff nahm. Doch der fünffache MVP der Bundesliga brachte die Kritiker rasch zum Verstummen. In den WM-Playoffs im Mai 2024 scheiterten die Schweizer erst im Penaltyschiessen an Slowenien, das zuvor an der EM den 6. Rang belegt hatte.
Die starken Leistungen in diesen beiden Partien wurden mit einer Wildcard für die WM 2025 belohnt, welche die SHV-Auswahl auf dem sehr guten 11. Platz abschloss.
In der Folge qualifizierten sich die Schweizer für die diesjährige EM, an der sie die Hauptrunde erreichten. Der 12. Rang war ebenfalls ein ansehnlicher Erfolg und führte dazu, dass das Team in den Playoffs für die WM 2027 in Deutschland mit Italien auf ein auf dem Papier schwächeres Team traf. Umso bitterer ist das Scheitern mit dem Gesamtskore von 64:68.
Präsident geschockt
Für Pascal Jenny, Präsident des Schweizerischen Handballverbandes, ist es «ein wirklich riesiger Rückschlag». Es war für ihn ein Rätsel, dass die Verteidigung, eigentlich das Prunkstück der Mannschaft, in den beiden Partien «schon fast unglaublich schwach war».
Zur Leistung in Italien sagt er: «Du hast das Gefühl, du bist in einem Albtraum.» Auf die Frage, ob dieser Dämpfer zur Entwicklung eines jungen Teams gehöre, antwortet Jenny: «Nein, eigentlich darf das bei der Qualität der Spieler nicht passieren; das war in keiner Hinsicht zu erwarten.»
Ernstkämpfe bis zur Heim-EM bleiben aus
Das Scheitern ist in zweierlei Hinsicht mehr als schmerzhaft. Erstens, weil die WM in Deutschland, dem Handballland schlechthin, stattfindet. Jenny spricht «von der grössten WM aller Zeiten»; er wollte diese auch dazu nutzen, eine Euphorie für die Heim-EM 2028 in Zürich zu entfachen.
Der A-Nationaltrainer ist natürlich kein Thema.
Zweitens, weil die Schweizer bis zu diesem Highlight nun kein Pflichtspiel mehr haben. Zwar bestreiten sie im November, März und Mai den sogenannten Euro Cup, in dem sie je einmal zu Hause und auswärts auf die weiteren EM-Gastgeber Dänemark, Spanien und Portugal treffen. Letztlich geht es dort aber um nichts.
Für Schmid ist das «fast der bitterste Aspekt. Wir hätten die WM gebraucht, um in diesen Drucksituationen weiter zu lernen und zu bestehen.»
Dämpfer als Chance?
Schmid sieht im ersten Dämpfer in seiner Trainerkarriere auch eine Chance: «Es wird sich nun herauskristallisieren, wer mit Haut und Haaren Leistungssportler ist. Zuerst schaue ich aber in meinen Spiegel.»
Klar ist, dass nun die kritischen Stimmen wieder lauter werden. Jenny hat schon Mitteilungen bekommen, in denen der Staff hinterfragt wird und auch, dass Schmid ab Sommer zusätzlich den NLA-Topverein Kriens-Luzern trainiert, was für ihn «eminent wichtig» sei.
Jenny betont: «Der A-Nationaltrainer ist natürlich kein Thema. Wir dürfen uns von unserem Weg zur Heim-EM nicht abbringen lassen. Gleichzeitig müssen wir ehrlich hinschauen und uns Gedanken machen, ob alle Puzzleteile am richtigen Ort sind und wo wir uns noch steigern können. Doch ich habe immer gesagt, dass nach der Heim-EM abgerechnet wird. Das soll so bleiben.» So träumt Jenny weiterhin von einer Medaille 2028.