Das bittere EM-Spiel gegen Slowenien hat bei den Schweizern Spuren hinterlassen. Mit 9 Toren führte die Nati zwischenzeitlich, am Ende resultierte aber trotzdem eine Niederlage. Nach einer kurzen Nacht waren ein Tag später die Auswirkungen bei den Akteuren immer noch zu spüren. Die Stimmung im Nati-Lager war getrübt, auch wenn die Chancen auf die Hauptrunde noch bestehen – zumindest theoretisch.
Bevor aber nach vorn auf das letzte Vorrundenspiel gegen Montenegro geblickt werden kann, muss das Slowenien-Spiel noch aufgearbeitet werden. Eine wirkliche Erklärung für den Einbruch hatte am Montag niemand bereit. Trainer Andy Schmid sprach von «30 bis 40 Situationen», in denen «falsch reagiert, falsch gespielt oder falsche Inputs gegeben worden» seien.
Bitterste Niederlage
Auch mit seiner Gefühlslage hielt sich Schmid nicht zurück: «Es war gestern wirklich sportlicher Horror. Es fühlt sich so an, als seist du vom Lastwagen überfahren worden.»
In seiner Ära als Nati-Coach sei es die bitterste Niederlage. Als Spieler habe Schmid aber schon viele Rückschläge einstecken müssen. «Ich hatte wahrscheinlich in meiner Karriere mehr Tiefschläge als schöne Siege», sagte der 42-Jährige. «Wir müssen den Schmerz annehmen und daraus lernen. Das ist ein Prozess, aber daraus kann auch etwas entstehen.»
Kaum Zeit für Analyse
Auch Samuel Röthlisberger sprach von der bittersten Niederlage seiner Karriere. Sein 100. Länderspiel wird ihm in Erinnerung bleiben, allerdings nicht positiv. Die Probleme verortete er auch im mentalen Bereich: «Das Ziel muss sein, Selbstvertrauen und einen gewissen Mut auszustrahlen. Das ist uns gegen Slowenien nicht gelungen.»
An der EM sei die Zeit zu kurz, um eine genaue Analyse vorzunehmen. Alle zwei Tage findet eine Partie statt. Das könne in der aktuellen Situation aber auch helfen, um das Geschehene zu verarbeiten.
Hoffnung lebt noch
Für die Nati geht es am Dienstagabend gegen Montenegro weiter. Die Montenegriner stehen noch ohne Punkt da und haben gegen die Färöer eine 24:37-Pleite kassiert. Die Schweiz braucht in jedem Fall einen hohen Sieg und muss gleichzeitig darauf hoffen, dass die Färinger gegen Slowenien keinen Punkt holen.
Auf das Parallelspiel will Röthlisberger aber nicht schauen. «Wir müssen das beeinflussen, was wir beeinflussen können – das ist unser Spiel.» Auch Teamkollege Lenny Rubin hat die Hoffnung auf die Hauptrundenqualifikation noch nicht aufgegeben.
«Wir müssen ein brutales Spiel abliefern und hoch gewinnen», erklärte der 29-Jährige den Schlachtplan. «Es gibt immer wieder Wunder. Gegen Slowenien war das Wunder, dass wir die Partie noch verlieren. Gegen Montenegro gibt's nun vielleicht das Wunder, dass wir es noch in die Hauptrunde schaffen.»