Zum Inhalt springen

Header

Video
Yusof: «Schmerzmittel sind der letzte Ausweg»
Aus Sport-Clip vom 20.06.2020.
abspielen
Inhalt

Kunstturner mit klarer Haltung Yusof: «Schmerzmittel sind für mich kein Doping»

Im Zuge der Diskussion um Schmerzmittelmissbrauch widerspricht Eddy Yusof den Vorwürfen der ARD-Dokumentation.

Die letzte Woche veröffentlichte ARD-Dokumentation «Hau rein die Pille» warf hohe Wellen. Die Vorwürfe sind happig: Vorab im Fussball würden Schmerzmittel wie Ibuprofen «wie Smarties» konsumiert. Dies, obwohl die Kriterien Leistungssteigerung und Gesundheitsgefährdung erfüllt seien, was für die Aufnahme in die Doping-Liste sprechen würde, so das Urteil im Film.

Dem widerspricht aber beispielsweise Eddy Yusof. Der Kunstturner sagt im Skype-Interview gegenüber SRF Sport: «Kein Sportler nimmt freiwillig Schmerzmittel.» Vielmehr sei es «der letzte Ausweg, um sich über einen kurzfristigen Zeitrahmen über Wasser zu halten.»

Kein solcher Umgang im Kunstturnen

Im Kunstturnen habe man «einen vernünftigen Umgang» mit dem Schmerzmittelkonsum. Er persönlich würde nur Schmerzmittel nehmen, wenn es nicht drin liege, eine Pause zu machen – so beispielsweise vor einem wichtigen Wettkampf.

Yusof betont, dass er – wenn überhaupt nötig – nur über einen kurzen Zeitraum Schmerzmittel nehme. Denn er sagt klar: «Medis über Wochen und Monate regelmässig zu nehmen, ist nur schon sinnlos, weil man einfach das körperliche Problem verdeckt. Es ist dadurch nicht gelöst.»

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das abhängig macht.
Autor: Eddy Yusof

Das Problem, dass solche Mittel abhängig machen können, sieht der 25-Jährige nicht. «Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das abhängig macht», so Yusof. Er betont im Gespräch aber mehrfach, dass er hier von Medikamenten wie Ibuprofen spreche. Denn: «Die starken Schmerzmittel sind ein No-Go, die sind auch auf der Dopingliste und haben extreme Nebenwirkungen.»

Für mich ist es kein Doping, weil man nicht über sein natürliches Leistungspotenzial herausgehen kann.
Autor: Eddy Yusof

Zugleich widerspricht der Zürcher einer weiteren Aussage, die in der Dokumentation gemacht wurde: Gemäss Yusof sind Schmerzmittel, die in eine Kategorie mit Ibuprofen fallen, nicht leistungssteigernd.

Video
Yusof: «Es steigert das Leistungspotenzial nicht»
Aus Sport-Clip vom 20.06.2020.
abspielen

Der Kunstturner erklärt seine Ansicht folgendermassen: Durch Training, Talent und Arbeit erreiche man ein gewisses Level. Verletzungen oder Entzündungen bewirken aber, dass der Sportler nicht mehr an sein Potenzial herankomme.

Für ihn seien Schmerzmittel deshalb eine Möglichkeit, sich wieder an sein Level heranzukämpfen. «Für mich ist es kein Doping, weil man nicht über sein natürliches Leistungspotenzial hinausgehen kann», so Yusof.

Machen Schmerzmittel den Wettkampf gar fairer?

Der Zürcher geht gar noch einen Schritt weiter, indem er sagt, dass «schwache» Schmerzmittel sogar eher die Chancengleichheit gewährleisten würden. Denn auch wenn es der Wunsch jedes Athleten sei, dass er keine Medikamente nehmen müsse, so sei es eine Tatsache, dass gewisse Sportler viel anfälliger auf Entzündungen seine.

Und Yusof stellt klar: «Mittel wie Ibuprofen sind kein Super-Heilmittel, die Schmerzen sind nicht einfach verpufft. Es macht das Ganze einfach ein wenig erträglicher.»

Video
Yusof: «Finde es fast fairer»
Aus Sport-Clip vom 20.06.2020.
abspielen

Radio SRF 4 News, 10.06.2020, Bulletin von 06:00 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hansruedi Oberholzer  (ReaList12)
    Diese Diskussion ist doch völlig überflüssig. Bevor man in dieser Sportwelt den Dopingsumpf nicht in den griff kriegt muss man meiner Meinung nach nicht über soetwas Diskutieren. Man kann keine einzige Sportart mehr schauen ohne Dopingvergehen im hinterkopf zu haben. Vergangene Grossanlässe lassen Grüssen. Und doch treten diese Athleten am nächsten Grossanlass wieder an. Lebenslange sperre ist das einzige Mittel!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Elsa Tschopp  (Nimsay)
    Die Argumentation von Yusof klingt vernünftig und in seinem Fall mag das so stimmen.
    Aber: Je nach Sportart können auch Schmerzmittel wie Ibuprofen gefährlich werden. Ich habe kürzlich darüber ein Artikel gelesen, was es z.B. bei Marathonläufen anrichten kann...
    Und: nicht jeder Sportler hat einen differenzierten, vernünftigen Blick auf dieses Thema. Yusof scheint diesen zu haben, viele andere vermutich auch, viele aber auch nicht...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Einfach nur Kopfschütteln. Er ist kein Vorbild für die Jugend. Wenn da der Verband, da kein Gegensteuer gibt dann weiss man wie der Schweizerische Turnverband zu Doping steht. Herr Yusuf, sie Proklamieren hier das Medikamente harmlos seien. Das läst mich an seiner Intelligenz zweifeln.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen