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Dieser Fauxpas führte zu Schärs Disqualifikation
Aus Sport-Clip vom 04.04.2021.
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Michael Schärs gebrauchter Tag Nach Disqualifikation: Unverständnis über die neue UCI-Regel

Aufgrund einer neuen «Littering»-Regel wurde Michael Schär an der Flandern-Rundfahrt disqualifiziert. Nicht nur bei ihm ist das Unverständnis gross.

Michael Schär erlebte am Sonntag in Flandern einen Tag zum Vergessen: Zuerst machten dem Luzerner zwei Defekte zu schaffen. Doch knüppeldick kam es für den 34-Jährigen aus dem AG2R-Citröen-Team erst danach, als er alleine versuchte, wieder den Anschluss ans Hauptfeld herzustellen.

In einer Kurve warf Schär seine leere Trinkflasche einer Gruppe von Zuschauern am Strassenrand vor die Füsse. Ein Vergehen, das der Radsport-Weltverband UCI seit dem 1. April in einem Eintagesrennen mit einem Ausschluss bestrafen kann.

Zusätzlich zu den ganzen Eindrücken habe ich einen Bidon eines Profis erhalten. Dieser hat mich zuhause jeden Tag daran erinnert, was mein grosser Traum ist.
Autor: Michael Schär

Und genau dieses Schicksal ereilte den Edelhelfer von Captain Greg van Avermaet wenige Kilometer nach seinem Fauxpas. Schär ist damit der erste Fahrer, der aufgrund des neuen UCI-Regelwerks aus einem Rennen der World Tour ausgeschlossen wurde. Für das Wegwerfen von Abfall, worunter auch leere Bidons fallen, sind seit Inkrafttreten der Regel spezielle Zonen vorgesehen.

Grosses Unverständnis im Fahrerfeld

Am Ostermontag äusserte sich Schär in den sozialen Medien zu seiner Disqualifikation. In einem Posting auf Instagram schrieb er zu einem Foto mit einem kleinen Jungen im Fahrradtrikot: «Dear UCI, why kids start cycling».

Schär erzählt darin von einem Erlebnis aus seiner Kindheit, als er 1997 mit seiner Familie die Tour de France besuchte – ein Schlüsselerlebnis auf seinem Weg zum späteren Radprofi. «Zusätzlich zu den ganzen Eindrücken habe ich einen Bidon eines Profis erhalten. Dieser hat mich zuhause jeden Tag daran erinnert, was mein grosser Traum ist», schrieb der Schweizer.

Nun sei er einer derjenigen, der Zuschauer und insbesondere Kinder mit einer Flasche beschenken könne. «In ruhigen Momenten habe ich den leeren Bidon immer behalten, bis ich am Strassenrand Kinder gesehen habe», heisst es im emotionalen Posting-Text weiter.

Und für diesen kriegte Schär viel Zuspruch: Neben seinem Captain Van Avermaet, der den Beitrag mit applaudierenden Emojis versah, pflichteten dem Luzerner zahlreiche weitere Profis bei. Jasper Stuyven etwa, Sieger von Mailand - Sanremo, schrieb «well said» in die Kommentarspalte. Rohan Dennis bezeichnete die neue UCI-Regel «als Witz».

Nicht die einzige neue Regel

Auch Stefan Küng machte seinem Unmut Luft. Der Thurgauer schlug vor, «dass wir alle gleichzeitig ein paar Schulkindern unsere Flaschen zuwerfen. Mal sehen, was die UCI dann macht», kommentierte Küng.

Von Seiten der Fahrer bläst der UCI ein eisiger Wind entgegen. Das neue Regelwerk beinhaltet aber noch andere Aspekte, die in kommender Zeit für zusätzlich rote Köpfe sorgen könnten. Seit dem 1. April ist nämlich auch die beliebt gewordene «Supertuck»-Position, also das Sitzen auf dem Oberrohr verboten. Auch die Unterarme dürfen – ohne Zeitfahrvorrichtung – nicht mehr auf dem Lenker abgestützt werden.

Die «Supertuck»-Position, hier zu sehen bei Greg van Avermaet während der Tour de France 2016.
Legende: Hat in den letzten Jahren Schule gemacht Die «Supertuck»-Position, hier zu sehen bei Greg van Avermaet während der Tour de France 2016. Keystone

SRF zwei, sportlive, 04.04.2021, 13:40 Uhr;

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Finde ich gut die neuen Regeln, dass auch hier das Littering angegangen wird. Diese Fahrer sind Vorbilder für die Jugend und sollten sich auch demendsprechend verhalten. Es gibt so viel zu tun, also Packt es an und zeigt was für Manieren ihr gelernt habt.
    1. Antwort von Othmar Eberhard  (Othmar Eberhard)
      Als Kind habe ich mich gefreut, wenn ich einen Bidon ergattern konnte. Glaube kaum dass ,da wo es Zuschauer hat, ein Bidon liegen bleibt. Wenn ich da an die vielen Raucher denke, die ihre Zigaettenstummel überall fortwerfen. Schär deswegen zu verurteilen finde ich daneben. Strafe gür mich unverhältnismässig. Da fährt man 180 von 220 km und wird dann wegen eines fortgeworfen Bidons disqualifiziert.
  • Kommentar von Hans Peter  (Byron)
    Ich kann mich täuschen aber ich habe den Eindruck, dass dieser Vorfall für einige Kommentierende zu einem Rundumschlag gegen die "bösen Velofahrer" ausgenutzt wird. Das Wegwerfen von Bidons durch Profis an der falschen (!) Stelle hat herzlich wenig mit Doping, der Gefährung von Wanderern und Hundehalter durch Biker, der Vorbildwirkung von Sportlern und der Verschmutzung von Strassenrändern mit Abfällen aller Art etc.zu tun. Dampf ablassen ist OK, aber Schuld sind nicht immer die anderen...
  • Kommentar von Pia Müller  (PiMu)
    Herr P. Konings:
    Noch mehr Bikerwege als im Rheintal kann man sich in CH kaum vorstellen.
    Ich nehme jedesmal meinen Hund "Fuss", da diese extrem schnell unterwegs sind und wegen mir oder dem Hund nicht bremsen könnten. Doch sehr selten bekomme ich ein Danke oder ein Grüezi. Sehr schade. Wir alle sollten die schöne Natur geniessen können/dürfen.
    1. Antwort von Peter Konings  (Kapelati)
      Da bin ich einverstanden! Es braucht da noch viel Arbeit. Viel biker sind sich ihre Geschwindigkeit nicht bewusst. Ich bedanke mich also stellvertretend fürs „Fuss“ und wünsche Ihnen schöne outdoor Stunden!
    2. Antwort von hans schwarz  (ks)
      Es ist doch selbstverständlich, dass sie ihren Hund im Griff haben, dafür braucht es kein Dankeschön.