Tadej Pogacar hat nun vier der fünf Radsport-Monumente gewonnen und arbeitet mit 27 Jahren weiterhin an seiner Legende. In der Klassiker-Primavera, an der er in den letzten Jahren Mal für Mal gescheitert war, kehrte Pogacar diesmal aus dem Nichts zurück.
«Für ein paar Sekunden dachte ich, es sei vorbei», gab der zweifache Weltmeister mit Blick auf seinen Sturz zu. Seinen Teamkollegen funkte er sogar, dass er nun für sie fahren würde.
«Kurz vor dem wichtigsten Teil des Rennens zu stürzen, ist alles andere als ideal. Aber dann sah ich meine Teamkollegen. Florian (Vermeersch) und Felix (Grossschartner) haben alles gegeben, um mich wieder heranzuführen. Sie gaben mir neue Hoffnung. Brandon (McNulty) und Isaac (Del Toro) haben beim Aufstieg zur Cipressa die Führung übernommen. Ohne mein Team wäre ich heute nach dem Sturz direkt in den Bus eingestiegen», so Pogacar.
Der Konkurrenz bleibt nur das Staunen
Mit Wut im Bauch und Adrenalin im Blut kehrte Pogacar wie ein Wirbelwind ins Peloton zurück und setzte sich nur sechs Kilometer nach dem Sturz im Aufstieg zum Poggio di Cipressa bereits wieder an die Spitze des Rennens, wo er den Anstiegsrekord brach – mit einer aufgeschürften linken Seite und blutendem Knie, genau gleich wie beim Rennen «Strade Bianche» im letzten Jahr.
Jetzt kann ich das Rennen nächstes Jahr vielleicht vor dem Fernseher oder am Strassenrand verfolgen.
Die Konkurrenz bestaunte Pogacars Leistungsdemonstration. Mathieu van der Poel, der Vorjahressieger, fiel beim Anstieg Poggio di Sanremo zurück. Auch van der Poel war in den Sturz 32 km vor dem Ziel verwickelt, verlor aber weniger Zeit als Pogacar. «Ich verletzte mir beim Sturz die Hand. Ich merkte schnell, dass ich mein eigenes Tempo fahren muss. Aber gut, Tadej ist auch gestürzt, er war wirklich stark», so van der Poel.
Pidcock fehlen nur Zentimeter
Nur Tom Pidcock, der gemäss eigener Aussage zeitweise kurz vor dem Zusammenbruch stand, schaffte es irgendwie, an Pogacar dranzubleiben. Im Ziel fehlten Pidcock trotz der besseren Ausgangslage im Finish ein paar Zentimeter.
Der Brite erachtete die Niederlage als «bitter»: «Es tut weh, so knapp zu scheitern. Man hat mir gesagt, dass es am Ende um vier Zentimeter ging. Okay, ich verliere gegen Tadej, gegen den Besten aller Zeiten. Aber ich kann nicht anders, als enttäuscht zu sein.»
Rekord von Merckx rückt näher
Derweil genoss Pogacar den Sieg: «Es ist unglaublich, das gebe ich zu. Endlich habe ich Mailand-Sanremo in der Tasche. Jetzt kann ich das Rennen nächstes Jahr vielleicht vor dem Fernseher oder am Strassenrand verfolgen.» Auch die Teamkollegen, die so viel beigetragen hatten, konnten es kaum fassen. «Als ich über den Funk hörte, dass Tadej gewonnen hat, habe ich geweint», erzählte der Österreicher Grossschartner.
Mit dem ersten Sieg an der «Primavera» bricht Pogacar weiter Rekorde. Mit insgesamt elf Siegen an den Radsport-Monumenten zieht er mit Roger de Vlaeminck auf dem zweiten Platz der ewigen Bestenliste gleich und rückt vor seinen nächsten beiden grossen Terminen, der Flandern-Rundfahrt und vor allem Paris-Roubaix, dem Rekord von Eddy Merckx (19) näher. Paris-Roubaix ist der letzte grosse Klassiker, den Pogacar noch nie gewonnen hat.