Jonas Vingegaard steigt am Freitag als grosser Favorit in den 109. Giro d’Italia. Drei Wochen später möchte der Däne im Rosa Trikot des Gesamtsiegers im Schatten des Kolosseums über den Zielstrich in Rom rollen. Damit hätte er neben der Tour de France und der Vuelta a España alle drei grossen Landesrundfahrten gewonnen. Das gelang bisher nicht einmal seinem grossen Rivalen Tadej Pogacar.
Dass Vingegaard den Giro fährt, war sein ausdrücklicher Wunsch. «Ich brauchte einfach eine Veränderung. Ich freue mich total darauf. Es gibt mir viel neue Energie», sagte der 29-Jährige und spannte den Bogen zum eigentlichen Ziel: «Ich könnte dadurch sogar besser bei der Tour sein.»
Neue Rennen, neue Ziele – neues Leben?
Zweimal hat er in Frankreich bereits gewonnen, in den vergangenen beiden Jahren aber Niederlagen gegen Pogacar kassiert. Der Slowene hatte 2024 vor der Tour noch den Giro mit einer Leichtigkeit gewonnen, die nun mangels grosser Konkurrenz auch von Vingegaard erwartet wird.
Für Vingegaard war jedoch in erster Linie ein Ausbruch wichtig. Raus aus den gewohnten Strukturen einer Saison. Neue Rennen, neue Ziele. Und bald womöglich auch ein neues Leben? Es gibt zumindest gewisse Anzeichen, die entweder auf einen Teamwechsel oder ein Ende der Laufbahn hindeuten. Als Profi kennt Vingegaard keinen anderen Rennstall als Visma, für den er seit 2019 fährt und bei dem er noch einen Vertrag bis 2028 besitzt.
Gerüchteweise soll Hauptsponsor Visma sein Engagement künftig deutlich zurückschrauben wollen. Um das Niveau zu halten, braucht der dänische Rennstall aber einen potenten Geldgeber. Sollte dieser nicht gefunden werden, müsste Vingegaard einen Teamwechsel allerdings in Betracht ziehen.
Vingegaard, der nicht gern gesehene Heimwerker
Eine grosse Rolle spielt auch Vingegaards Ehefrau Trine. Die 40-Jährige ist weit mehr als nur seine Ehefrau. Sie managed seine Karriere, betreut bisweilen seinen Instagram-Account und geht offen auf Konfrontationskurs zum Team. Ihrer Meinung nach bekommt Vingegaard nicht genügend Unterstützung. «Man kann nur mit Respekt darauf schauen, wie es für Tadej Pogacar getan wird. Wenn er an der Startlinie steht, gibt es keinen Zweifel, wer der Kapitän ist», sagte Trine Vingegaard.
Und dann war da noch die Episode mit der Küche. Weit vor der Tour 2025 beschloss das Paar, das Haus zu renovieren. Jonas Vingegaard baute dafür die alte Küche aus, die neue ein, verlegte auch noch den Fussboden. «Das Team war darüber nicht sehr glücklich», berichtete seine Frau.
Doch dies sei genau das, was ihr Mann brauche. «Er lädt seine Batterien nicht in einem dreiwöchigen Höhentrainingslager auf. Er muss zu Hause sein, wo er wirklich er selbst ist», befand sie und liess dann diesen vielsagenden Satz los: «In vielerlei Hinsicht begann der Countdown zum Ende seiner Karriere, als wir unser erstes Kind bekamen.»