Die Grenze verläuft unmittelbar neben dem Festgelände. Jene zwischen den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen. Und so ist das Bergkranzfest auf der Schwägalp seit jeher eine grenzüberschreitende Veranstaltung, die von Vertretern und Vertreterinnen von beidseits der Passhöhe durchgeführt wird.
Diese Kooperation hat viele Gesichter. Schon ganz früh trug sie das Antlitz von Thomas Sutter, Jörg Abderhalden und Arnold Forrer, der Könige aus Appenzell und dem Toggenburg, die mit ihrem Streik 1999 massgeblich zur Erhebung des Schwägalp-Schwinget in den Status eines Bergfestes mit Kranzabgabe beitrugen.
Längst ist seither der Schwägalp-Schwinget zum grössten Bergfest avanciert, und zum Paradebeispiel dafür, wie in hundertprozentiger Freiwilligenarbeit ein höchst professioneller Anlass auf die Beine gestellt werden kann. Niemand ist für dieses jährlich wiederkehrende Spektakel mit weit über 10'000 Besuchenden angestellt und bezahlt. Das wird dann zwar für den einen oder die andere zur Grenzerfahrung, was die eigene Belastbarkeit angeht, aber das Resultat ist für sie alle Lohn genug. Schon nur das Bild des Festgeländes am Fusse des Säntis ist ikonisch. Und das Fest am Sonntag ist es dann sowieso.
Schwinger bauen Tribünen und Zelte auf
Amateure leisten Grosses. Das gilt im Schwingsport ganz generell. Die Athleten trainieren professionell, obwohl sie alle einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Das ist an sich schon eine Gesamtleistung an der Grenze des Möglichen. Und dann kommt hinzu, dass man als Schwinger persönlich mit anpackt, wenn ein Schwingfest in der Nähe stattfindet. So geschehen dieser Tage auf der Schwägalp.
Werner Schlegel ist letztes Jahr beim Schwägalp-Schwinget Dritter geworden und gehört zu den Siegkandidaten am Sonntag. Bevor aber gekämpft wird, hat der gelernte Zimmermann beim Tribünenbau tatkräftig mitgeholfen. Seine Toggenburger Miteidgenossen Damian Ott und Marcel Räbsamen liessen sich ebenfalls nicht lumpen und waren beim Zeltaufbau engagiert.
Man stelle sich vor, Granit Xhaka müsste vor einem Länderspiel den Rasen mähen. Oder Marco Odermatt vor der Lauberhorn-Abfahrt Sicherheitsnetze aufstellen. Den beiden bleibt das zum Glück erspart und sie können sich maximal professionell auf ihren Wettkampf vorbereiten. Während Werner Schlegel und seine Kollegen einen Teil ihrer Energie schon vor ihrem sportlichen Einsatz investiert haben.
Eine Investition, die sich allerdings lohnt. Einerseits, damit der Wettkampf überhaupt stattfinden kann. Und andererseits, weil gerade der Amateursport, mit all dem Herzblut, das er erfordert, eine extrem starke Verbindung zwischen den Akteuren und ihrer Tätigkeit schafft.
«Ruhestand» gibt's nicht
So ist denn auch das Engagement für ein Schwingfest mit dem Ende der aktiven Schwingkarriere nicht vorbei. Im Gegenteil. Die Verbindung von Schwingern und ihrem Sport scheint keine zeitliche Begrenzung zu kennen.
So hat aus Richtung St. Gallen auch König Forrer den Weg Richtung Kantonsgrenze unter die Räder genommen und sich beim Aufbau des Bodens im Festzelt engagiert. Sein einstiger Weggefährte aus dem Toggenburg, Jakob Roth, arbeitete Seite an Seite mit Schlegel. Aus Richtung Appenzell sind die zurückgetretenen Bösen Michael Bless und Raphael Zwyssig für die Mithilfe bei der Festwirtschafts-Logistik angereist, und Marcel Kuster hat sich ebenfalls Freitage genommen, um bei den Kleinbauten mitzuhelfen.
Die Aufzählung ist unvollständig. Aber sie reicht, um zusammen mit dem Bild, das uns am Sonntag geboten wird, zutiefst beeindruckt zu sein. Von Amateuren, die keine Grenzen kennen.
Die Spitzenpaarungen am Schwägalp-Schwinget:
Damian Ott – Patrick Räbmatter |
Joel Ambühl – Domenic Schneider |
Werner Schlegel – Joel Strebel |
Roger Rychen – Sven Schurtenberger |
Martin Hersche – Christian Schuler |
Nick Alpiger – Samir Leuppi |
Andreas Döbeli – Marcel Räbsamen |
Fabian Kindlimann – Mike Müllestein |
Michael Gwerder – Mario Schneider |
Marcel Bieri – Martin Roth |