Julie Lengweiler gesteht: «In der ersten Woche war ich sehr überfordert.» Kein Wunder, denn für die Schweizer Volleyballerin ist derzeit alles neu. Vor rund einem Monat wechselte sie vom polnischen Klub Radomka Radom nach Japan zu den Saga Hisamitsu Springs. Lengweilers alter Klub litt unter finanziellen Problemen, in Japan ging eine Tür auf. Ein neues Abenteuer für die 27-Jährige, die zuvor bereits in Finnland, Spanien, Griechenland und Deutschland gespielt hatte.
Bekanntlich ist aller Anfang schwer. Vor allem, wenn die Unterschiede gegenüber dem Gewohnten derart frappant sind. Von der Ernährung bis zum Grundriss der Wohnung – nichts sei in Japan so, wie sie es in Europa gewohnt sei, erzählt Lengweiler.
In Europa hat man mehr Zeit, es ist dort simpler.
Die Unterschiede hören dabei nicht im Privatleben auf, das Volleyballspiel musste die Aussenangreiferin fast schon neu erlernen: «Beim Block und in der Defense muss man viel lesen und schnell reagieren. In Europa hat man mehr Zeit, es ist dort simpler.»
Eine Stunde zu früh und doch zu spät
Das japanische Arbeitsethos entpuppte sich dabei keineswegs als Klischee. Die Trainingszeiten sind lang, sie dauern von morgens 8:30 bis abends 19 Uhr. Die Intensität lässt sich mit einer Anekdote beschreiben: Als Lengweiler im ersten Nachmittagstraining eine Stunde zu früh erschien, war die Kabine leer. Alle anderen Spielerinnen waren noch früher erschienen. Lengweiler habe sich zunächst wie ein Fremdkörper gefühlt, dann aber rasch den Tritt gefunden, gemerkt: «Ich kann Volleyball spielen, es kommt schon gut.»
Bereut die Thurgauerin den Aufbruch ins Unbekannte? Keineswegs: Nicht nur biete der Ausbruch aus der Komfortzone Inspiration fürs Privatleben, er mache aus ihr auch eine komplettere Volleyballspielerin. Auf dem Feld gelang der Auftakt ebenfalls. Mit den Springs aus Saga, Zweiter der Tabelle, gewann Lengweiler ihre ersten beiden Partien. Die Überforderung ist längst dem Ziel Meistertitel gewichen.