Spätestens nach dem perfekten Olympia-Start mit 2-mal Gold war die pikante Kreditkarten-Affäre für Julia Simon ganz weit weg. «Ich fokussiere mich nur auf den Sport, den ich am meisten liebe. Das ist für mich das Wichtigste», sagte die Französin am Mittwoch nach ihrem Triumph im Einzel-Rennen auf der Anlage in Antholz.
«Ich hatte ein Ziel und habe meine ganze Energie dafür verwendet. Es waren schwierige Monate, aber ich bin sehr stolz auf mich.» Schwere Monate waren es aber nicht nur für die 29-Jährige, sondern vor allem für ihr Team.
14'000 Franken Busse für 2000 Franken Gaunerware
Denn Simon war nicht das Opfer, sondern die Täterin in einem Fall, der Frankreichs Biathletinnen seit gut 3 Jahren beschäftigt. Mit der Kreditkarte von Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet sowie jener einer Team-Physiotherapeutin kaufte die 10-fache Weltmeisterin Waren für umgerechnet gut 2000 Franken im Internet.
Von einem Gericht wurde die Sportlerin zu einer 3-monatigen Haftstrafe auf Bewährung und einer Busse in der Höhe von knapp 14'000 Franken verurteilt. Frankreichs Skiverband verhängte zudem ein zeitlich begrenztes Wettkampf- und Trainingsverbot.
Längst passé: Nicht die ganze Wahrheit
«Das Thema ist im Team abgehakt, wir haben miteinander gesprochen», sagte Simon im Südtirol. Die ganze Wahrheit ist das natürlich nicht, denn Braisaz-Bouchet meidet weiterhin den Kontakt zur Betrügerin, im Team gibt's zwei Lager. Die Atmosphäre gilt seit dem Vorfall im Sommer 2022 als vergiftet, auch wenn sich die Lage etwas beruhigt hat.
Ihre Taten hatte Simon nach langem Leugnen zugegeben und sich bei den Betroffenen zumindest entschuldigt. Spekuliert wurde auch schon über zwanghaftes Verhalten. Seit einigen Jahren arbeitet Simon mit einem Therapeuten zusammen, versteht ihr Handeln selbst aber nach wie vor nicht. Sie könne sich zumindest nicht vorstellen, so etwas noch einmal zu tun.
Trainer am Limit
Doch trotz allem ist sie in Topform auf dem Weg, zur Biathlon-Königin der Winterspiele zu werden. 2 Goldmedaillen hat sie schon, deren 4 gibt es noch zu gewinnen. Als Frankreichs Nationalhymne am Mittwoch erklang, wischte sie sich die Tränen aus den Augen, schon vorher hatte sie hemmungslos geweint.
Man muss nicht befreundet sein, um gute Leistungen zu zeigen.
Auf dem Podest stand Simon neben Lou Jeanmonnot, die Einzel-Silber eroberte. Zusammen hatten sie schon mit Frankreichs Mixed-Staffel Gold eingesammelt. Das Duo ist auch im Sprint am Samstag favorisiert. Pikant: Jeanmonnot ist eine Freundin von Braisaz-Bouchet, die ausgerechnet von Simon aus dem Mixed-Team gedrängt wurde.
Als Braisaz-Bouchet gefragt wurde, was sie von der französischen Mixed-Staffel-Aufstellung hält, verliess sie einfach die Pressekonferenz. «Man muss nicht befreundet sein, um gute Leistungen zu zeigen», hatte Braisaz-Bouchet im Vorjahr angemerkt und liess erahnen, wie die Stimmung untereinander ist: «Ausserhalb der Arena verbringe ich meine Zeit nur mit positiven Menschen.» Auch die Trainer bringt die Situation an ihre Grenzen.