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Gremaud holt 2. Olympiagold Nach «Megasturz» im Training dachte sie: «Jetzt ist es vorbei»

Heftiger Druck, ein übler Abflug im Training und strenge Judges: Mathilde Gremaud wurde es auf dem Weg zum 2. Olympiagold nicht leicht gemacht.

Von aussen betrachtet war es eigentlich keine Überraschung: Freeskierin Mathilde Gremaud trat in Milano Cortina als grosse Favoritin im Slopestyle an. Als Quali-Siegerin, als zweifache Weltmeisterin, als Besitzerin eines kompletten Satzes an Olympiamedaillen. Man könnte die Aufzählung noch weiterführen. Doch hinter dem neusten Meisterstück der Freiburgerin steckt mehr, als der erste Blick offenbart.

Da war einerseits der Druck, diese selbst geschaffenen hohen Erwartungen an sich selbst. «Es war schon viel, aber wir haben uns optimal vorbereitet», schilderte sie erleichtert im Siegerinneninterview. Der Absprung ihres Trainers. Ihr 2. Olympiagold gründete genauso auf mentaler Stärke wie auf technischer Finesse. Nach dem Olympiasieg in Peking musste sich die damals 22-Jährige aus einem Tief kämpfen.

Es war ein Megasturz, ich dachte kurz, jetzt ist es vorbei.
Autor: Mathilde Gremaud stürzte im Training vor dem Wettkampf noch heftig

Nun, 4 Jahre später, sorgte in Livigno ein Unfall im Training für eine Schrecksekunde: «Ein Megasturz! Ich dachte kurz, jetzt ist es vorbei. Ich brauchte Schmerztabletten.» Zumindest für den Moment wichen die Beschwerden der Freude. «Die ganze Familie ist da und so viele Freunde. Sie haben mir ein Geschenk gemacht, das ich unbedingt zurückgeben wollte. Es ist einfach krank, dass ich das geschafft habe», strahlte Gremaud.

Die Aufgabe erschwerte das Auge der Judges, welches bei den Runs der Schweizerinnen etwas kritischer schien als bei der grossen Widersacherin Eileen Gu. Sie habe mit höheren Wertungen gerechnet, gab Gremaud zu. SRF-Experte Elias Ambühl hatte die verhältnismässig tief angesetzte Punktzahl von Gremauds 2. Run als «Schweinerei» taxiert. Gremaud hingegen zog daraus – wie aus nahezu allen Widrigkeiten – Motivation.

Lächelnde Person im roten Mantel mit Medaille und Spielzeug.
Legende: «Golden Girl» Mathilde Gremaud ist erneut Olympiasiegerin. Keystone/Gregory Bull

Voller Freude war nach dem Wettkampf auch Giulia Tanno. Sowohl in Sotschi als auch in Peking verhinderten Verletzungen eine Olympia-Teilnahme. Nun konnte die Bündnerin die Premiere umso mehr geniessen: «In den Final zu kommen, war schon etwas Grosses. Auf diesem Kurs zeigen zu dürfen, was ich kann – einfach ein wunderschönes Gefühl», schilderte sie ihre Gefühlslage. Auf ihre Teamkollegin und gute Freundin Gremaud sei sie «so stolz. Sie hatte so viel Druck auf sich, das war glaube ich nicht ganz einfach.»

Die grosse Geschlagene, Eileen Gu, sah keinen Anlass zur Klage: «Ich fühle mich grossartig, mein Skifahren war nie besser. Dass wir uns so pushen, ist super.» Sowieso sei ihr Hauptziel, dass mehr Leute den Freestyle-Sport für sich entdecken, «vor allem Mädchen». Fest steht: Werbung für den Sport zu machen – das ist Gremaud und Gu an jenem Montag in Livigno formidabel geglückt.

Milano Cortina 2026

SRF zwei, Sportlive, 9.2.2026, 13:28 Uhr ; 

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