Als Camille Rast im Slalom bei letzter Gelegenheit verhindert hatte, dass das Schweizer Frauenteam erstmals seit 16 Jahren ohne alpine Olympiamedaille bleibt, dankte sie Denis Wicki. Das letzte gemeinsame Rennen mit dem langjährigen Trainer fand einen krönenden Abschluss. Und es rang dem sonst so gefasst wirkenden Walliser die eine oder andere Träne ab.
Für Rast, das machte die Weltmeisterin im «Sportpanorama» klar, war Wicki nicht einfach ein Trainer. «Oft reichte einfach ein Blick oder ein Handzeichen, wir haben uns so gut verstanden.» Wicki merkte, wie es um den Gefühlszustand seiner Schützlinge bestellt war.
Der Mann aus Vercorin, der schon früh Rasts immenses Talent erkannt hatte, zeigte ihr, wie wichtig der Spass am Skifahren ist. Es ist ein Begriff, den die 26-Jährige aus Vétroz oft braucht: «Spass.» Mit Wicki an ihrer Seite überstand Rast auch dunklere Zeiten, in denen sie an Depressionen litt.
Weil der 65-Jährige nun pensioniert wird, endet der gemeinsame Weg. Rast, Mélanie Meillard und Co. erhalten eine neue Bezugsperson. Die Suche bei Swiss-Ski läuft. Was muss der Wicki-Nachfolger mitbringen? Die französische Sprache ist Rast sehr wichtig. Und: «Wir Athletinnen sind sehr emotional, das wechselt manchmal innert Sekunden.» Da müsse der Trainer gute Nerven haben, die richtigen Worte finden.
Tschuor: Auch das Zwischenmenschliche ist wichtig
Beat Tschuor, Cheftrainer der Schweizerinnen, ergänzt: «Das Charisma muss stimmen, das Zwischenmenschliche ist auch wichtig. Man muss respektvoll zuhören und dann entscheiden, was richtig ist.»
Rast erzählt, sie habe sich auf die Veränderungen vorbereitet, versucht, jedes Training, jedes Rennen mit Wicki zu geniessen. Sich bewusst zu machen: Wir erleben die Reise an jeden Ort nun zum letzten Mal gemeinsam. Nun ist der Punkt gekommen, schon nach Are, wo am Wochenende zwei Rennen anstehen, reist sie erstmals ohne ihren Mentor.
Aus Trainer Wicki wird Fan Wicki – und nach der Skifamilie, wie es Rast nennt, kann er sich jetzt seiner «richtigen» widmen. Er freue sich, nun endlich mehr Zeit zu Hause verbringen zu können. Und wenn Wicki vor dem Fernseher Rasts nächsten Triumph sieht, wird er wissen: Er hat grossen Anteil daran.