Es ist noch keine zwei Jahre her, da verletzte sich Malorie Blanc in Crans-Montana bei einem Sturz im Europacup schwer am linken Knie. Riss des vorderen Kreuzbandes, Riss des Aussenmeniskus, dazu eine Zerrung des inneren Seitenbandes lautete die niederschmetternde Diagnose für das damals 20-jährige Supertalent.
Am Samstag, wenige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Milano Cortina, schloss sich für Blanc auf der Piste Mont Lachaux der Kreis. In ihrem erst 20. Weltcup-Rennen feierte die Walliserin nur wenige Kilometer von ihrem Geburts- und Wohnort entfernt den 1. Sieg. «Das ist noch nicht bei mir angekommen, ich habe Mühe, das zu realiseren», rang Blanc nach dem Exploit um Worte. «Ich habe auf dieser Piste schon alles erlebt. Es ist so ein schöner Ort, es ist einfach mein Zuhause, ich liebe es hier. Ich bin so froh, es auf dieser Piste und vor diesen Leuten gezeigt zu haben. Wenn ich sie höre, habe ich kleine Ameisen in meinem Herz.»
200 Bekannte – Familie, Kollegen – hatten sich auf der stimmungsvollen Tribüne im Zielstadion eingefunden und erlebten den Exploit hautnah mit: «Ohne sie wäre es ganz anders, ich bin mega dankbar, dass so viele gekommen sind», strahlte die Siegerin mit der Sonne um die Wette. Es war gut 4 Wochen nach der schweren Brandkatastrophe mit 40 Toten und 116 Verletzten auch ein Moment kurzer Ablenkung im Ort.
Von 0 auf 2
Nach ihrem sensationellen Karrierestart mit Platz 2 in ihrem zweiten Rennen auf höchster Stufe vor einem Jahr in der Abfahrt in St. Anton konnte Blanc ihr zweifelsohne vorhandenes Potenzial seither nur punktuell abrufen. Lediglich zweimal fuhr sie seither in die Top 10, einmal in dieser Saison beim Super-G in St. Moritz.
Eben jener 6. Platz im Engadin war nicht nur das bis dato zweitbeste Resultat in der Karriere von Blanc, sondern auch das zweitbeste Resultat des gesamten Speed-Teams von Swiss-Ski in dieser Saison. Einzig Janine Schmitt klassierte sich in der Abfahrt in Zauchensee noch einen Platz weiter vorne.
Plötzlich ist da wieder Hoffnung
Die verletzungsbedingten Ausfälle von Lara Gut-Behrami, Michelle Gisin und zwischenzeitlich Corinne Suter konnten bisher nicht aufgefangen werden. Der Coup von Blanc weckt im Schweizer Lager nicht nur Hoffnungen auf einen Exploit an den Olympischen Spielen, die in der kommenden Woche beginnen, sondern auch für die WM, die in einem Jahr auf dem Walliser Hochplateau ausgetragen wird.