Die ersten 4 Slaloms der Saison hatte Mikaela Shiffrin noch mit über einer Sekunde Vorsprung gewonnen und nach Belieben dominiert. In Semmering deutete Camille Rast dann erstmals an, dass sie durchaus in der gleichen Liga fahren kann wie die amerikanische Überfliegerin. Nur 0,09 Sekunden verlor die Walliserin damals und meinte: «Hoffentlich kann ich Shiffrin bald noch mehr unter Druck setzen.»
Gesagt – getan: In Kranjska Gora beendete Rast die Siegesserie von Shiffrin. Nun behielt sie um 0,14 Sekunden das bessere Ende für sich. Damit gelang ihr der 2. Sieg binnen 24 Stunden nach dem Erfolg im Riesenslalom. Einmal mehr bewies sie dabei ihre Nervenstärke: Wenn immer sie nach dem 1. Lauf geführt hatte, brachte sie den Sieg anschliessend auch ins Ziel.
Semmering hat Appetit gemacht
«Nach den beiden zweiten Plätzen in Semmering hatte ich Hunger», meinte Rast nach ihrem Husarenstück. «Dass ich da so knapp an sie rangekommen bin, hat mir noch mehr Energie gegeben.» Aber es sei ein hartes Stück Arbeit gewesen. Nach der Fahrt von Shiffrin habe sie die Trainer im Hintergrund raunen hören, da habe sie gewusst: «Okay, jetzt musst du Gas geben.»
Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben. Ich will nicht gross über Punkte oder so nachdenken, sondern einfach so weitermachen.
Für Rast war es der 5. Podestplatz in Serie. Die 26-Jährige, die sich wohl in der Form ihres Lebens befindet, unterliess es dann auch nicht, ihrem Trainerteam sowie dem Servicemann zu danken. «Es passt aktuell super zusammen. Mit jedem Schritt ging es ein bisschen vorwärts, bis jetzt zum Doppelsieg.»
Zu weit vorausblicken möchte Rast angesichts ihrers Formhochs und den bevorstehenden Olympischen Spielen im Februar in Mailand und Cortina aber nicht. «Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben. Ich will nicht gross über Punkte oder so nachdenken, sondern einfach so weitermachen.»
Holdeners offensive Ausrichtung
Grund zum Feiern hatte auch Wendy Holdener, welche nach zwei 4. Plätzen in Gurgl und Copper Mountain endlich den Sprung aufs Slalompodest schaffte – erstmals in dieser Saison. «Das tut sehr gut», meinte die Schwyzerin, in den letzten Jahren sei es teilweise einfach gegangen, «jetzt hat es doch viel Energie gebraucht».
Ich wollte Gas geben, nicht einfach nur auf der Linie ‹hocken› und alles perfekt machen.
Sie habe zuletzt viel am Mindset gearbeitet, meinte Holdener. Sie habe die Offensive gesucht, «ich wollte Gas geben, nicht einfach nur auf der Linie ‹hocken› und alles perfekt machen».
Ein gutes Omen für Flachau
Rast und Holdener standen im Weltcup nun zum 4. Mal gemeinsam auf dem Slalom-Podest. Nebst den Weltmeisterschaften in Saalbach (AUT) im vergangenen Jahr gelang dies dem Duo letzte Saison auch in Killington (USA) und Flachau (AUT).
Ein gutes Omen also für den nächsten Slalom, der am Dienstag in einer Woche in ebendiesem Flachau über die Bühne gehen wird.