Während die Speed-Spezialisten am Samstagmorgen in Courchevel im heftigen Schneetreiben harrten, ehe die Absage des Super-G folgte, bereitete sich Alexis Pinturault auf einen ganz anderen Termin vor – seine Medienkonferenz um 17 Uhr, an welcher er mitteilte: Es ist vorbei mit der Karriere als Skirennfahrer.
Jahrelang prägte der Franzose den Weltcup mit. Nun gab er 6 Tage vor seinem 35. Geburtstag an jenem Ort, wo er aufwuchs und sein Vater ein Hotel besitzt, das Ende seiner langen Laufbahn per Ende Saison bekannt. Beim Weltcupfinale in Lillehammer wird er am 24. März mit dem Riesenslalom sein letztes Rennen bestreiten. «Ich wusste schon zu Beginn der Saison, dass es meine letzte werden würde. Ich wollte es aber nicht zu früh ankündigen», sagte Pinturault.
Im Februar 2011 hatte er sich mit einem Paukenschlag im Weltcup angemeldet. Nach zwei Rennen ohne Punkte fuhr er im Hinterstoder-Super-G mit Startnummer 62 auf Rang 6. Der erste Podestplatz folgte zwei Wochen später im Riesenslalom von Kranjska Gora. In der Folgesaison wurde aus ihm ein Siegfahrer.
Er war «Mister Kombination»
Insgesamt 355 Weltcup-Rennen absolvierte er (nur 9 Fahrer haben mehr), dabei glückten 34 Siege. Pinturault, dessen 77 Podestplätze sich auf Riesenslalom, Kombination, Slalom, Super-G und Parallelrennen verteilen, war der Inbegriff des Allrounders. Vor allem in der Kombination war er fast unschlagbar, holte zwischen 2013 und 2020 überragende 6 kleine Kugeln.
2021 klappte es nach 3 dritten (2014-2016) sowie 2 zweiten Rängen (2019 und 2020) endlich mit der grossen Kristallkugel für Pinturault. Wobei die Entscheidung nicht unumstritten war: Beim Weltcupfinale in Lenzerheide profitierte er gegenüber Marco Odermatt davon, dass Abfahrt und Super-G wetterbedingt abgesagt wurden. Auch an Grossanlässen glänzte Pinturault. Er holte drei WM-Titel und ebenso viele Olympiamedaillen.
Zuletzt überschatteten Verletzungen den Herbst seiner Karriere. Im Januar 2024 riss in Wengen das Kreuzband. Ein gutes Jahr später folgte in Kitzbühel die nächste schwere Knieverletzung. In der laufenden Comeback-Saison spezialisierte sich der Routinier, richtete seine Konzentration ausschliesslich auf den Riesenslalom. In Beaver Creek (11.) sowie Adelboden und Copper Mountain (je 12.) verpasste er einen Top-10-Rang knapp.