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Slalomfahrer ohne Kader-Status Zenhäusern: «Mit Nummer 60 oder 70 hätte ich die Sache beendet»

Ramon Zenhäusern gehört keinem Swiss-Ski-Kader mehr an, fährt aber weiter. Ganz auf sich allein gestellt ist er nicht.

Ein Schock war es nicht, er hat es kommen sehen: Als Swiss-Ski vor zwei Wochen die Alpin-Kader für die Saison 2026/27 bekanntgab, fehlte der Name Ramon Zenhäusern. «Wenn du 30-jährig bist, gibt es eine Regel bei Swiss-Ski: Du musst in den ersten 30 sein, um dazuzugehören», sagt der seit Montag 34-Jährige. Als 36. der Disziplinen-Wertung erfüllte der Slalomspezialist diese Kriterien nicht und verlor seinen C-Kader-Platz.

Der Olympia-Silbergewinner im Slalom und Team-Olympiasieger 2018 ist künftig indes nicht völlig auf sich allein gestellt. Während der Saison wird der Gewinner von 6 Weltcuprennen weiterhin von Swiss-Ski unterstützt. Das Sommertraining muss Zenhäusern jedoch selbst organisieren und selbst berappen. «Ich bin ein bisschen ein Chaot, aber am Ende passt es immer», sagt er zu seinen Organisations-Skills.

Wie viel ihn eine Saison ohne Kader-Status kosten wird, kann Zenhäusern noch nicht abschätzen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich sein langjähriger Kopfsponsor zurückgezogen hat. Zenhäusern ist sich aber sicher: «Es ist stemm- und machbar.»

Schluss mit Trainingsweltmeister

Ein Rücktritt stand für Zenhäusern ob der Degradierung nicht im Raum. Dies vor allem aus zwei Gründen. Zum einen wird der Walliser dank seiner Ergebnisse im Welt- und Europacup im nächsten Winter zu Beginn mit einer Nummer kurz nach den Top 30 in den 1. Lauf gehen können. «Müsste ich mit Nummer 60 oder 70 starten, hätte ich nicht lange überlegen müssen und die Sache beendet», stellt der 2,02-m-Mann klar. Zum anderen brennt das Feuer für den Rennsport trotz der enttäuschenden letzten Saison noch immer in Zenhäusern.

Auch ein wichtiger Faktor: Zenhäusern glaubt an sich. Er ist von seinem Potenzial überzeugt, deutete es im letzten Winter immer mal wieder in einzelnen Läufen und vor allem in den Trainings an. So wünscht sich der Team-Weltmeister von 2019, dass er endlich das Prädikat «Trainingsweltmeister» ablegen kann. «Ich hoffe, dass ich mit 34 den Spiess umkehren und eine Saison lang mein Potenzial auch im Wettkampf zeigen kann», sagt Zenhäusern.

Erstmals nicht auf Rossignol unterwegs

Ob Zenhäusern im Winter 2026/27 in den Rennen besser performen kann, wird sich zeigen. Klar ist, dass er dies auf einer neuen Skimarke tun wird. Zenhäusern verlässt im Spätherbst seiner Karriere Rossignol und wird erstmals auf einer anderen Skimarke im Weltcup unterwegs sein. Künftig wird der Routinier mit Völkl unterwegs sein.

«Vor einem Monat hätte ich mir das nicht vorstellen können, schliesslich war ich mit Rossignol immer zufrieden», so Zenhäusern. Aber Völkl hätte ihn angefragt und die Tests in Sölden und Gurgl seien sehr vielversprechend verlaufen.

Und so steigt Zenhäusern in ein paar Monaten ohne Kader-Status, mit einer Startnummer jenseits der 30 und mit neuen Ski in den Winter. Doch der grösste Fahrer im Skiweltcup träumt weiterhin gross. Sogar eine Teilnahme an der Heim-WM in Crans-Montana hat Zenhäusern im Hinterkopf.

Radio SRF 1, Bulletin, 7.5.26, 18:45 Uhr ; 

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