Sie ist mit dem Schläger in der Hand ebenso stark wie undurchschaubar für Gegnerinnen und Journalisten: Jelena Rybakina, die an den Australian Open ihren 2. Grand-Slam-Titel gewann, zählt zu den rätselhaftesten Spielerinnen in den Top 10.
Auf dem Platz «ist man sich nie wirklich sicher bei ihr», sagte Jessica Pegula (USA/WTA 6), die im Halbfinal gegen Rybakina verlor. «Sie bleibt unter allen Umständen ruhig – und das ist eine ihrer grössten Stärken», lobte Pegula weiter.
«Kann auch lustig sein»
«Ich versuche, meine Frustration nicht zu sehr zu zeigen, wenn etwas schief läuft. Ich glaube, das liegt in meinem Charakter», bestätigt Rybakina, die im November die WTA-Finals in Riad gewann. «Auch ausserhalb des Platzes bin ich eher ruhig. Aber ich kann mit meinem Umfeld auch lustig sein», versichert die neue Nummer 3 der Welt, die in Moskau zur Welt kam, sich aber 2018 entschied, für Kasachstan anzutreten – weil sie in Kasachstan mehr finanzielle und sportliche Unterstützung erhielt.
«Ich muss ihr beibringen, wie man richtig feiert», scherzte die Tunesierin Ons Jabeur, als sie vor dreieinhalb Jahren im Wimbledon-Final von Rybakina besiegt worden war.
Umstrittener Coach
Trotz dieser äusserlichen Ruhe waren die fast 4 Jahre, die zwischen ihren beiden Major-Titeln lagen, für die 26-jährige Rechtshänderin alles andere als ein langer, ruhiger Fluss. Nach ihrer Niederlage im Final in Melbourne 2023 gegen Sabalenka, die bis dahin noch keinen Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, musste Rybakina auch ihre Entscheidung rechtfertigen, ihren Trainer Stefano Vukov nach seiner Suspendierung durch die Frauen-Tour wieder einzustellen.
Die Zusammenarbeit wurde im Sommer 2024 zuerst beendet, doch der kroatische Trainer soll Rybakinas Telefon anschliessend mit SMS und mehr als 100 Anrufen überschwemmt haben, um sie davon zu überzeugen, seine Dienste wieder in Anspruch zu nehmen. 2025 wurde Vukov wegen Verstössen gegen den Verhaltenskodex der Tour für mehr als 6 Monate suspendiert. Nach der Aufhebung der Sperre kehrte er offiziell in Rybakinas Team zurück. Seit Vukov nicht mehr aus der Ferne coachen muss, geht die Post ab.
Allrounderin
«Ich hatte nie Probleme mit Vukov», betont Rybakina. Sie versichert, dass sie von ihrem Trainer nie «schlecht behandelt» worden sei. Rybakina weigerte sich im November nach ihrem Sieg bei den WTA-Finals in Riad mit der Chefin der WTA, Portia Archer, für ein Foto zu posieren. So sehr ärgert sie sich immer noch über den Wirbel (und die Sperre) um ihren Trainer.
Rybakina gewann Wimbledon auf Rasen und jetzt die Australian Open auf Hartplatz. Sie triumphierte auch schon am WTA-1000-Event in Rom auf Sand. «Ich kann auf allen Belägen spielen», sagt sie. Ein Garant dafür ist ihr Aufschlag: Schon zweimal (2020 und 2025) gelangen der 1,84 m grossen Rybakina die meisten Asse auf der Tour.