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Streaming-Tipp Das gefrorene Herz

Ein toter Landstreicher genau auf der Gemeindegrenze sorgt für eine Posse. Ein Kultfilm von Oscar-Regisseur Xavier Koller.

Die verschneite Winterlandschaft der Eingangsszene hält eine schmackhafte Überraschung für einen Landstreicher parat. Ein erschossenes Kaninchen fällt ihm direkt vor die Füsse. Sofort macht der Hungrige Feuer und isst den Leckerbissen.

Wenig später ist der Landstreicher selbst tot. War ihm jener «Weiberarsch» zum Verhängnis geworden, von dem er kurz zuvor einem anderen Landstreicher vorgeschwärmt hatte?

Der tote Landstreicher sorgt für einen Dorfstreit. Weil er exakt auf der Grenze zwischen Vorder- und Hinterau verstorben ist, schieben die beiden Gemeinden den Leichnam hin und her, um sich die Kosten für die Beerdigung zu ersparen.

Frühwerk von Oscar-Regisseur

«Das gefrorene Herz» aus dem Jahr 1979 ist ein echter Klassiker des Schweizer Kinos. Der Film markierte einen frühen Höhepunkt in der Karriere von Regisseur Xavier Koller, der später für «Reise der Hoffnung» einen Oscar gewinnen sollte.

Der auf der Erzählung «Begräbnis eines Schirmflickers» von Schriftsteller Meinrad Inglin basierende Film besticht in vielerlei Hinsicht:

Atmosphärische Dichte

Die Kameraarbeit von Hans Liechti fängt die winterliche Berglandschaft so intensiv ein, dass man die Kälte förmlich spüren kann. Gedreht wurde unter anderem im Schächental und Muotathal.

Die stimmungsvolle Musik steuerte der kürzlich verstorbene Hardy Hepp bei.

Authentizität

Da Schauspieler aus ganz verschiedenen Regionen mitwirkten, wurde der Film komplett nachsynchronisiert, um einen einheitlichen Innerschweizer Dialekt zu garantieren.

Besetzung

Mit Sigrit Steiner und Paul Bühlmann sind zwei Grössen des Schweizer Schauspiels am Werk. Bühlmann spielt den im Schnee versterbenden Schirmflicker tragikomisch. Steiner wiederum schlüpft als Korber in eine seiner glanzvollsten Rollen.

Moral mit Humor

Regisseur Koller entlarvt «Provinzmief» und Doppelmoral der Gesellschaft, ohne dabei bösartig zu werden. Wie Steiner die geizige Bevölkerung der beiden Dörfer narrt, um seinem Freund ein anständiges Begräbnis zu sichern, ist eine Parabel über die Solidarität von Aussenseitern.

Als eines der bedeutendsten Werke des «Neuen Schweizer Films» geniesst «Das gefrorene Herz» mittlerweile Kultstatus.

SRF 1, 7.2.2026, 14:00 Uhr ; 

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