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Pseudowissenschaften Wieso uns Theorien über Ausserirdische faszinieren

Der Autor Erich von Däniken begeisterte mit seinen Theorien über Ausserirdische weltweit Millionen – während die Wissenschaft ihn als Pseudoforscher bezeichnete. Warum übten seine Theorien dennoch eine so grosse Faszination aus?

Mit seinem Bestseller «Erinnerungen an die Zukunft» landete Erich von Däniken 1968 einen Volltreffer. Weltweit fühlten sich Millionen Leserinnen und Leser angesprochen. Von Dänikens Ideen waren spektakulär und leicht verständlich: Ausserirdische hätten die Menschheitsgeschichte geprägt – wir heutigen Menschen seien durch Geschlechtsverkehr von Aliens mit weiblichen Menschenaffen entstanden. 

Während seine Fangemeinde wuchs, wurde Erich von Däniken von der wissenschaftlichen Fachwelt nie wirklich ernst genommen – für sie war er ein Pseudowissenschaftler.

Von Däniken war nicht trotz, sondern wegen seiner Gegnerschaft zur etablierten Wissenschaft so erfolgreich.
Autor: Prof. Dr. phil. Peter Brugger Emeritierter Professor

Gerade das könnte sein Erfolgsgeheimnis gewesen sein. «Von Däniken war nicht trotz, sondern wegen seiner Gegnerschaft zur etablierten Wissenschaft so erfolgreich», vermutet Prof. Dr. phil. Peter Brugger, emeritierter Professor für Verhaltensneurologie und Neuropsychiatrie an der Universität Zürich. 

Er selbst habe die Bücher damals auch fasziniert gelesen. Mit einem Augenzwinkern – natürlich. Aber sie waren originell, gegen den Mainstream und vor allem gut vermarktet.

Auf dem Bild ist Erich von Däniken zu sehen.
Legende: Erich von Däniken präsentierte im Jahre 2012 einen vermeintlichen Beweis für die Präsenz ausserirdischen Lebens auf der Erde. Imago Images / Rudolf Gigler

Das macht den Autor zum Paradebeispiel für ein Phänomen, das weit über ihn hinausgeht: die Faszination der Pseudowissenschaften. Doch wieso faszinieren sie uns so sehr? 

Was sind Pseudowissenschaften?

Pseudowissenschaften sind verführerisch und potenziell gefährlich. Sie tarnen sich als Wissenschaft, ignorieren aber die wissenschaftlichen Grundprinzipien. Sie präsentieren Spekulationen oftmals als Fakten und suchen gezielt nach Bestätigungen für ihre Thesen. Gegenbeweise werden als nicht gültig erklärt.

Die gängigsten Pseudowissenschaften

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Auf dem Bild ist ein Sternzeichen-Kreis zu sehen.
Legende: Die Astrologie gehört zu den gängigsten Pseudowissenschaften. Sie fasziniert Millionen. Imago Images / VectorFusionArt

Astrologie 

Die Astrologie behauptet Zusammenhänge zwischen Himmelskörpern und Lebensereignissen oder Charaktereigenschaften. Sie bedient das Bedürfnis nach Orientierung und einem vorbestimmten Schicksal.

Aussagen wie «Widder erleben diese Woche berufliche Chancen» sind vage formuliert, sodass sie auf viele Menschen zutreffen. Tritt die Vorhersage nicht ein, wird sie relativiert: Es gab «versteckte Einflüsse», das Horoskop wurde missinterpretiert, oder das Individuum ist «besonders».

Bis heute konnte keine astrologische Theorie wissenschaftlich belegt werden – trotzdem fasziniert sie Millionen. 

Homöopathie 

Die Homöopathie beruht auf dem Prinzip «Ähnliches heilt Ähnliches» und extremer Verdünnung: Krankheiten sollen durch eine geringe Dosis eines Mittel geheilt werden, die in hoher Dosis bei einem Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen wie die Krankheit selbst.

Zahlreiche Studien zeigen: Homöopathie wirkt nicht besser als Placebo. Trotzdem ist sie besonders im deutschsprachigen Raum beliebt – wohl auch, weil Homöopathen sich oft mehr Zeit für Patienten nehmen als konventionelle Ärzte.  

Leugnung des Klimawandels 

Die Leugnung des menschengemachten Klimawandels ist ein modernes Beispiel für Pseudowissenschaft mit politischer Agenda. Trotz überwältigendem wissenschaftlichem Konsens behaupten Leugner, der Klimawandel sei natürlich, übertrieben oder eine Erfindung.

Typischerweise werden einzelne Studien überbewertet, Daten missinterpretiert und der wissenschaftliche Konsens angezweifelt – Klimaforschende würden lügen, um Forschungsgelder zu erhalten. 

Eugenik und Rassenlehre 

Die Eugenik behauptete, man könne die Menschheit durch gezielte «Züchtung» verbessern. Im Deutschen Nationalsozialismus führte sie zu Zwangssterilisationen und zu systematischem Massenmord.

Die zugrunde liegende Rassenlehre – die Einteilung von Menschen in «höhere» und «minderwertige» Rassen – ist wissenschaftlich widerlegt. Trotzdem leben rassistische Pseudotheorien heute fort.

Phrenologie 

Die Phrenologie behauptete im 19. Jahrhundert, man könne Charaktereigenschaften und Intelligenz an der Schädelform ablesen. «Verbrecherschädel» wurden vermessen, «Intelligenzmerkmale» kartiert – alles ohne wissenschaftliche Grundlage.

Getrieben sind sie durch ein Bedürfnis nach einfachen Erklärungen, guten Geschichten und Abenteuern – und bedienen nicht selten eine Skepsis gegenüber einer als elitär wahrgenommenen Fachwelt.

Treiber der Pseudowissenschaft

Den Nährboden für Pseudowissenschaften bilde unter anderem die wachsende Komplexität der Wissenschaft. «Quantenphysik, Genforschung, Klimamodelle – vieles lässt sich ohne Fachwissen nicht mehr nachvollziehen», erklärt Brugger. Pseudowissenschaftliche Erklärungen hingegen liefern einfache und verständliche Antworten. 

Auch persönliche, negative Erfahrungen können laut dem emeritierten Forscher eine Rolle spielen. Sei es die Ärztin, die einen in fünf Minuten abfertigt, oder der Forscher, der als überheblich empfunden wird.

Das Geheimnis des Erfolgs

In der Tat könne die Wissenschaft ruhig öfter zugeben, dass gewisse Fragen noch nicht beantwortet werden können, so Brugger. Und gleichzeitig aufzeigen, dass an Antworten geforscht wird. So lasse sich auf ehrliche Weise transparent machen, wie Wissenschaft die Grenzen des Wissens Stück für Stück verschiebt.

Das klingt etwas trocken und auch dort liegt ein Geheimnis des Erfolgs von Pseudowissenschaften: Die Menschen lieben gute Geschichten. Und die hat ihnen ein Autor wie Erich von Däniken gegeben.

Nano, 13.1.2026, 6:50 Uhr

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