Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Zum Tod des Bestsellerautors «Erich von Däniken hat seine Ideen wahnsinnig gut vermarktet»

Der Schweizer Autor Erich von Däniken ist am Wochenende im Alter von 90 Jahren gestorben. Mit Theorien über Ausserirdische in der Frühzeit wurde der Bestsellerautor weltberühmt. Seine Thesen waren umstritten, beflügelten aber die Fantasie vieler Menschen und haben auch die Popkultur beeinflusst. Welche Spuren von Däniken in der Science-Fiction hinterlässt, weiss Philipp Theisohn, der eine «Einführung in die Ausserirdische Literatur» geschrieben hat.

Prof. Dr. Philipp Theisohn

Literaturwissenschaftler

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Philipp Theisohn ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaften an der Uni Zürich. Zudem ist er Autor des Buchs «Einführung in die Ausserirdische Literatur» – in diesem Werk beschäftigte sich der Literaturwissenschaftler auch mit Erich von Däniken.

SRF: Wie ordnen Sie Erich von Däniken literarisch und kulturgeschichtlich ein?

Philipp Theisohn: Erich von Däniken war ein Grenzphänomen. Er hat es geschafft, Parawissenschaften und extraterrestrische Fantasien so zu verkaufen, dass sie zu einer populären Marke wurden, die sowohl in der Schweiz als auch weltweit vermarktet werden konnten.

1968 hat Erich von Däniken sein erstes Buch «Erinnerungen an die Zukunft» veröffentlicht und damit einen Science-Fiction-Boom ausgelöst. Wie hat er das Genre geprägt?

Durch seine Bücher bekam die Science-Fiction eine starke Ausrichtung in Richtung der sogenannten Präastronautik. Präastronautik bedeutet, dass wir Menschen auf der Erde das Ergebnis einer Art Züchtung sind – also dass vorher Wesen aus dem All hier waren.

Seine zentrale These war, dass es ausserirdische Zivilisationen auf der Erde gegeben habe, bevor wir da waren. Diese Idee hat er wahnsinnig gut vermarktet – oft mit ziemlich lustigen Tricks.

Dafür soll es Spuren geben: zum Beispiel die Cheops-Pyramide, die Linien von Nazca oder die Göttererzählungen in der Mythologie. Das seien im Grunde alles Berichte über Ausserirdische. Das ist ein ganzer Themenkomplex, der durch Autoren wie Erich von Däniken in der Science-Fiction populär wurde.

Frau in antiker Kleidung berührt Mann, Statuen im Hintergrund.
Legende: Science-Fiction trifft altes Ägypten: Im Hollywoodfilm «Stargate» (1994) tauchen viele der Ideen von Erich von Däniken über Ausserirdische in der Frühzeit wieder auf. Imago/United Archives

Würden Sie sagen, er hat bestehende Science-Fiction-Trends aufgegriffen und diese populären Motive verstärkt oder hat er auch Neues inspiriert?

Erich von Däniken hatte Vorläufer, aber er hat etwas Eigenes daraus gemacht. Er hat sich aus persönlichem Interesse mit archäologischer und historischer Literatur beschäftigt und daraus dann seine eigenen Theorien entwickelt.

Es hat ein bisschen etwas von Indiana Jones: Man hat nicht wirklich das Gefühl, dass da gerade etwas eindeutig gefunden wird, aber von Dänikens Texte legen nahe, dass da etwas war.

Er war sehr gut darin, diese «Geheimnisse der Schöpfung» zu vermarkten. Seine zentrale These war, dass es ausserirdische Zivilisationen auf der Erde gegeben habe, bevor wir da waren. Und diese Idee hat er wahnsinnig gut vermarktet – oft mit ziemlich lustigen Tricks.

Haben Sie Beispiele dafür?

Es gibt Dokumentationen, in denen er mit einem Freund in unterirdische Höhlensysteme in Ecuador hinabsteigt und dort ausserirdische Bibliotheken entdeckt. Das wird dann mit Fotos belegt, bei denen aber immer das entscheidende Detail fehlt – nämlich genau das, was belegen würde, dass dort etwas Ausserirdisches ist.

Das hat ein bisschen etwas von Indiana Jones: Man hat nicht wirklich das Gefühl, dass da gerade etwas eindeutig gefunden wird, aber seine Texte legen nahe, dass da etwas war. Gerade in den 70er- und 80er-Jahren hat das sehr stark die Fantasie angeregt.

Er hat es ohne grosse Vorbildung geschafft, ein Parawissen zu etablieren, das um die Welt gegangen ist.

Zu seiner Verteidigung: Er selbst hat immer gesagt, dass man das alles nicht einfach glauben soll. Er war nie jemand, der gesagt hat, man müsse um seine Person eine Art Kult aufbauen. Er ist mit seinen eigenen Theorien oft viel ironischer und entspannter umgegangen als viele seiner Anhänger.

Was bleibt von Erich von Däniken?

Er war jemand, der aus dem Nichts kam und es ohne grosse Vorbildung geschafft hat, ein Parawissen zu etablieren, das um die Welt gegangen ist. Er hat viele Leute in der Kunst weltanschaulich geprägt, ohne dass man bis heute verstehen kann, warum das so war. Und: Er blieb bis zum Schluss eigentlich auch immer ein netter Kerl.

Das Gespräch führte Enora Maurer.

Preise für Pseudo-Wissenschaften

Box aufklappen Box zuklappen

1991 erhält von Däniken «für seine Erklärungen, wie die menschliche Zivilisation durch urzeitliche Astronauten aus dem Weltall beeinflusst wurde», den satirischen Ig-Nobelpreis im Bereich Literatur.

2012 wird ihm das «Goldene Brett vorm Kopf» für den «erstaunlichsten pseudo-wissenschaftlichen Unfug des Jahres» und für sein Lebenswerk verliehen.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 12.1.2026, 7:00 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel