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Zum Tod von Erich von Däniken Die Ausserirdischen liessen ihn nicht mehr los

Er war ein Influencer mit einem Millionenpublikum, als noch niemand durchs Internet scrollte: der Autor Erich von Däniken. Er war überzeugt, dass Ausserirdische schon vor Jahrtausenden auf der Erde ihre Spuren hinterlassen haben. Nun ist er mit 90 Jahren gestorben. Der Journalist Hans Peter Roth hat letztes Jahr eine Biografie veröffentlicht über den gelernten Koch und Hotelier, der sich mit Leib und Seele der «Prä-Astronautik» verschrieben hatte.

Hans Peter Roth

Autor

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Hans Peter Roth studierte an der Universität Bern Geografie und Medienwissenschaften. Seit 1996 arbeitet er als freier Journalist. Als Buchautor schrieb er im Jahr 2000 «Das Geheimnis der Kornkreise». Es folgte 2006 «Orte des Grauens in der Schweiz» über Spukphänomene. 2025 veröffentliche er die autorisierte Biografie über Erich von Däniken. Roth arbeitet heute bei der TX Group als Redaktor für den «Berner Oberländer», das «Thuner Tagblatt» und die «Berner Zeitung».

Biografie «Erich von Däniken: Sein Leben – Sein Lebenswerk»

SRF News: Wie wird Erich von Däniken in Erinnerung bleiben?

Hans Peter Roth: Ich werde Erich von Däniken vermissen als einen Menschen, der stets sehr zugänglich und ohne Starallüren war. In Erinnerung bleibt seine These, dass Ausserirdische schon vor Jahrtausenden die Erde besucht und ihre Spuren hinterlassen haben. Er war überzeugt davon, dass sich das archäologisch belegen lässt. Ebenso davon, dass Ausserirdische auch genetisch ihre Spuren in der Menschheit hinterlassen haben.

Mit diesem Infotainment, einem romanhaften Erzählen, erreichte er im deutschsprachigen Raum und insbesondere in den USA ein Millionenpublikum.

Woher kommt sein Interesse für die Ausserirdischen?

Von Däniken wurde streng katholisch erzogen, stellte schon im Internat kritische Fragen über die Existenz von Gott und die Herkunft der Menschen. Solchen Grundsatzfragen der Menschheit ging er nach, las Bücher, stellte Thesen zu Ausserirdischen auf, besuchte unzählige Stätten auf dem ganzen Planeten auf der Suche nach archäologischen Beweisen. Darüber schrieb er Bücher in einem sehr lesbaren und unterhaltsamen Stil. Mit diesem Infotainment, einem romanhaften Erzählen, ohne je ins Akademische abzudriften, hat er im deutschsprachigen Raum und auch weltweit ein Millionenpublikum erreicht, insbesondere in den USA.

Von Däniken schreckte zugleich nicht davor zurück, die Beweislage seinen Thesen anzupassen.

Fantast, höchstens teilweise Wissenschaftler, wenn überhaupt – welches Etikett würden Sie von Däniken geben?

Erich von Däniken war ein Fantast und ein Träumer. Er war aber auch ein Forscher, der sich sehr intensiv mit wissenschaftlichen Arbeiten auseinandersetzte. Dies belegen die Quellenverzeichnisse in seinen Büchern. Auch bei der Feldforschung ging er wissenschaftlich vor, indem er vor Ort ging. Von Däniken schreckte aber zugleich nicht davor zurück, die Beweislage seinen Thesen anzupassen. So blieb er schulwissenschaftlich immer umstritten. Ungeachtet dessen brachten ihm seine Publikationen verschiedene Ehrendoktortitel lateinamerikanischer Universitäten ein. Um Forschung und Feldforschung zu betreiben, müsse man nicht Akademiker sein, sagte er selbst zum Umstand, dass er nie eine Universität besucht hatte.

Wurde von Däniken im Ausland wohlwollender aufgenommen als in der Heimat?

Vielleicht wurde er in den USA wohlwollender aufgenommen wegen seines Stils. Von Däniken war zugleich immer umstritten. In unzähligen deutschsprachigen Medienartikeln wurde er verrissen, und man machte sich über ihn lustig. Das zeigt auch eine «Auszeichnung» von 2012 durch eine deutsch-österreichische Skeptiker-Organisation. Diese verlieh ihm für sein Lebenswerk das «Goldene Brett vorm Kopf», um seine pseudowissenschaftliche Arbeit zu verspotten.

Neben grossen kommunikativen Fähigkeiten halfen ihm auch sein unglaublicher Humor und seine Selbstironie.
Autor: Hans Peter Roth

Wie hat von Däniken diese Kritik aufgenommen?

Er hatte ein sehr dickes Fell. Er musste immer wieder viel Kritik einstecken. 1970 sass er wegen angeblichen Betrugs und Urkundenfälschung sogar unschuldig 18 Monate im Gefängnis. Erst 1982 hob das Kantonsgericht Graubünden das Urteil auf und rehabilitierte ihn. Solche Vorkommnisse haben ihn nie von seiner Forschung abgebracht. Neben grossen kommunikativen Fähigkeiten halfen ihm auch sein unglaublicher Humor und seine Selbstironie.

Das Gespräch führte Matthias Strasser.

SRF 4 News, 12.1.2026, 6:45 Uhr ; 

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