Vor rund 40'000 Jahren ritzten unsere frühen Vorfahren mehrere, sich wiederholende Zeichen in Werkzeuge und Skulpturen – Muster, die bisher rätselhaft blieben. Nun zeigt eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift PNAS, dass diese uralten, steinzeitlichen Zeichenfolgen eine Informationsdichte besitzen, die aufgrund ihrer Komplexität mit der frühesten Proto-Keilschrift um 3000 vor Christus vergleichbar ist.
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Bild 1 von 3. Abbild eines Mischwesen aus Löwe und Mensch. Der sogenannte «Adorant» aus der Geissenklösterle-Höhle ist rund 38'000 Jahre alt. Die Anordnung der Markierungen auf dem Elfenbeinplättchen lässt auf ein Notationssystem schliessen, insbesondere die Reihen von Punkten auf der Rückseite der Platte. Bildquelle: Landesmuseum Württemberg / Hendrik Zwietasch.
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Bild 2 von 3. Das legendäre Mammut. Ein Steinzeitmensch schnitzte es aus einem Mammutstosszahn. Die Figurine aus der Vogelherd-Höhle ist etwa 40'000 Jahre alt und trägt auf ihrer Oberfläche mehrere Reihen von Kreuzen und Punkten. Bildquelle: Universität Tübingen / Hildegard Jensen.
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Bild 3 von 3. Vergleich mit einer der ältesten Schriftsysteme der Welt. Die Proto-Keilschrifttafel aus der Uruk V Periode, etwa 3500 bis 3350 Jahre alt, trägt auf der linken Seite Zahlzeichen und auf der rechten Seite ein Ideogramm, das ein Gefäss mit unbekanntem Inhalt darstellt. Bildquelle: Staatliche Museen zu Berlin, Vorderasiat. Museum / O. M. Tesmer.
Mit Computermethoden analysierte das Team um den Sprachforscher Christian Bentz von der Universität des Saarlandes auf insgesamt 260 Objekten mehr als 3000 geometrische Zeichen. So kamen sie der «DNA der Schrift» auf die Spur.
Die untersuchten Artefakte stammen unter anderem aus den Karsthöhlen auf der Schwäbischen Alb, etwa ein kleines Mammut aus der Vogelherdhöhle im Lonetal oder der Löwenmensch «Adorant» aus dem Geissenklösterle bei Blaubeuren. Die Forschenden vermuten, dass die Steinzeitmenschen mit den Zeichenfolgen ihr Wissen festhielten – quasi ein früher Informationscode, lange vor der eigentlichen Schrift.