In vielen Kassenzetteln stecken auch heute noch Bisphenole – giftige, hormonaktive Stoffe, die nachweislich durch Berührung über die Haut in den Körper gelangen und unter anderem Fortpflanzungsprobleme verursachen können. Sie dienen als Farbentwickler. Während der Stoff Bisphenol S für Kassenquittungen und andere Thermopapiere in der EU nach wie vor zugelassen ist, gilt in der Schweiz seit 2020 für gefährliche Bisphenole ein Verbot.
Allerdings zeigt eine Studie, dass in der Schweiz ein Jahr nach dem Verbot noch immer rund ein Fünftel der kontrollierten Thermopapiere Bisphenol S enthielten; es ist daher nicht auszuschliessen, dass auch hierzulande bisphenolhaltige Kassenzettel bis heute im Umlauf sind. Hinzu kommt: Pergafast, der derzeit geläufigste nicht-biologische Ersatzstoff in der Schweiz, ist zwar weniger gefährlich als Bisphenol S. Er gilt aber ebenfalls als potenziell kritisch für Gesundheit und Umwelt.
Mit ihrer biologischen Alternative rennen die Forschenden aus Lausanne daher offene Türen ein.
Farbentwickler auf der Basis von Holz und pflanzlichen Zuckern
Wie im Magazin «Science Advances» beschrieben, hat das Team der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) eine Beschichtung für Thermopapier entwickelt, die Lignin enthält, einen Hauptbestandteil von Holz. Auch pflanzliche Zucker hat das Team als Farbentwickler im Papier verwendet. Die Zutaten für diese pflanzliche Mixtur kann der Forschungsgruppe zufolge direkt aus ungeniessbarer Biomasse gewonnen werden.
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Bild 1 von 2. Zwei mit einfachem Labor-Druckgerät an der ETH Lausanne (EPFL) erstellte Ausdrucke: Links jener mit dem gelblichen ligninbasierten Thermopapier der EPFL, rechts ein weisser, mit klassischem bisphenolhaltigen Thermopapier. Bildquelle: EPFL/J. Luterbacher CC-BY-SA 4.0.
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Bild 2 von 2. Drei Papierstreifen: Sie zeigen die Qualität des ligninbasierten Thermopapiers in verschieden aufwändigen Herstellungsverfahren. Bildquelle: EPFL/J. Luterbacher CC-BY-SA 4.0.
Was besonders ins Gewicht fällt: Die Druckqualität der gelblichen, holzbasierten Beschichtung ist gemäss EPFL annähernd gleich gut wie jene auf herkömmlichem Thermopapier. In Tests mit einfachem Labor-Druckgerät entstanden klare Druckbilder und gedruckte Logos waren selbst nach einem Jahr noch gut lesbar.
Damit unterscheidet sich die neue Beschichtung von bereits existierenden biologischen Alternativen, die oft schlecht lesbar sind und schnell verblassen.
Die Rezeptur ist patentiert
Auch preislich könnte die gesundheitsverträglichere Alternative langfristig vergleichbar sein mit kommerziellem Thermopapier, schätzt Jeremy Luterbacher, der Co-Leiter der Lausanner Forschungsgruppe. Den bereits patentierten Bio-Farbentwickler wollen die Forschenden nun in der Qualität noch weiter optimieren und dann reif für die Grossproduktion machen. Es gäbe im EPFL-Team gar Überlegungen, ein Start-up zu gründen, um die Neuentwicklung auf den Markt zu bringen.
Vielleicht kommt er also doch noch, der perfekte Kassenzettel, wenn auch erst in einigen Jahren. Bis dahin gibt es eine garantiert gesundheitsverträgliche Alternative: Kassenzettel erst gar nicht ausdrucken...