Das Alzheimer-Medikament Donanemab ist nun auch in der Schweiz zugelassen. Betroffenenverbände und Mediziner begrüssen den Entscheid ausdrücklich. Gleichzeitig ist auch klar, dass nur ein Teil der Patienten das Medikament bekommen wird.
Für wen kommt das neue Medikament in Frage?
Für Menschen, die erste Alzheimer-Symptome haben und bei denen man bestimmte Eiweissablagerungen im Gehirn, sogenannte Plaques, nachweisen kann. Wer fortgeschritten an Alzheimer leidet, für den oder die kommt die Behandlung zu spät. Ausgeschlossen werden auch Patienten, die bestimmte Risikofaktoren haben, sei es genetisch bedingt, durch Bluthochdruck oder schlechte Durchblutung in kleinen Blutgefässen werden ausgeschlossen. Von allen, die Alzheimer haben, kommen am Ende nur 5 bis 15 Prozent für das Medikament in Frage.
Das Medikament hilft nur in frühen Stadien. Würde eine bessere Diagnostik helfen?
Ja, das würde sehr helfen. Hier ist auch relativ viel Bewegung drin. Es sind Bluttests im Kommen, die teils schon vor Symptombeginn anschlagen oder zumindest sehr früh. So wird die Diagnostik auch deutlich billiger, und bei diesen früh gefundenen Patienten könnte man die Medikamente einsetzen, noch bevor spürbare Symptome da sind.
Wie wirksam ist das Medikament?
In Studien konnte das Medikament den gesundheitlichen Verfall um ein Drittel verlangsamen, wenn Patienten es 18 Monate genommen haben. Es gibt erste Hinweise darauf, dass das Medikament Zeit braucht, um seine Wirkung zu entfalten, dass es also immer deutlicher wirkt, je länger Patienten es nehmen. Es ist damit wirksamer als alles, was in der Schweiz bisher verfügbar ist. Es zielt nicht nur auf die Symptome, sondern tatsächlich auf den Krankheitsmechanismus. Es greift, indem es an den Eiweissablagerungen ansetzt, genau dort ein, wo im Gehirn der Schaden entsteht.
Das Medikament kommt als Infusion. Was bedeutet das für die Patienten?
Die Patienten müssen einmal im Monat zum Arzt, um die Infusion zu bekommen. Dazu kommt eine relativ strenge Überwachung, wie es den Patienten geht, weil man weiss, dass es zu Blutungen und Schwellungen im Gehirn kommen kann. Wenn solche Nebenwirkungen auftreten, dann müssen die Patienten die Behandlung aussetzen.
In Europa und den USA ist das Medikament schon lange zugelassen, in der Schweiz erst jetzt. Woran liegt das?
Die Schweiz ist in einer Sonderrolle. Es ist ein kleiner Markt. Für Firmen ist eine Zulassung in der Schweiz nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste. Oft werden deshalb Anträge auf Zulassung hier später gestellt als in der EU oder den USA. Wenn ein Antrag gestellt ist, gibt es oft noch Klärungsbedarf, und die Zulassungsbehörde will noch bestimmte Details genauer wissen, auch das kann sich ziehen, je nachdem, wie sehr eine Firma der Sache auch hinterher ist. Und dann, das ist jetzt nur mein Eindruck: Es ist schon so, dass die Swissmedic eher auf der gründlichen Seite arbeitet, also eher strenger reguliert.