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Legende: Die Weltmeisterelf von 1954 steht seit jeher unter Doping-Verdacht. Keystone
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Auf Speed zum «Wunder von Bern»?

Seit dem legendären Sieg der deutschen Nationalmannschaft vor exakt 60 Jahren am 4. Juli 1954 machen Dopinggerüchte die Runde – nicht ohne Grund.

Der 4. Juli 1954 markiert nicht nur in der deutschen Sportgeschichte einen ganz besonderes Moment: Der im Berner Wankdorfstadion gegen Ungarn errungene Weltmeistertitel gilt auch recht eigentlich als identitätsstiftende Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland – eine Geburtsstunde, der aus sportlicher Sicht ein erheblicher Makel anhaftet.

Verdächtige Erkrankung

Schon wenige Tage nach dem Spiel wurden die Deutschen nämlich vom Kapitän des Finalgegners des Dopings beschuldigt. Dass sich dieser (von allen Beteiligten stets bestrittene) Vorwurf bis heute hält, liegt in erster Linie daran, dass nach der WM diverse deutsche Spieler und selbst der Trainer unter Gelbsucht litten – augenscheinliches Symptom einer Hepatitis-C-Erkrankung.

Audio
Auf Speed zum «Wunder von Bern»?
03:34 min, aus Audio SRF 1 vom 04.07.2014.
abspielen. Laufzeit 03:34 Minuten.

Als Ursache der Infektion wurden im Nachhinein die «Vitamin C»-Injektionen ausgemacht, die der Mannschaftsarzt dem Team mit ungenügend sterilisierten Glasspritzen verabreichte.

Dass in den heimlich eingesetzten Spritzen tatsächlich nur Vitamin C enthalten war, wird seit jeher stark bezweifelt. Vieles spricht stattdessen dafür, dass die Spieler mit Pervitin gedopt wurden, der als «Panzerschokolade» bekannten Blitzkrieg-Droge der deutschen Wehrmacht.

Vitaminpräparat oder Aufputschmittel?

Das während dem Krieg millionenfach in Tablettenform produzierte und konsumierte Methamphetamin – vergleichbar mit dem Speed oder Crystal Meth unserer Tage – dämpft Müdigkeit, Hunger und Schmerz und steigert kurzzeitig Selbstvertrauen, Leistungsfähigkeit und Konzentration. Bei regelmässiger Einnahme kommt es sehr schnell zu starker psychischer Abhängigkeit und vielfältigen körperlichen Zerfallserscheinungen.

Auch wenn sich der Verdacht hartnäckig hält: Ob dem legendären «Wunder von Bern» tatsächlich auf chemischem Wege nachgeholfen wurde, liess sich nie beweisen. Dopingkontrollen werden erst seit der Fussball-WM 1966 in England durchgeführt.

Video
60 Jahre nach dem «Wunder von Bern»
Aus Tagesschau vom 04.07.2014.
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4 Kommentare

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  • Kommentar von p.keller , kirchberg
    "Identitätsstiftende Geburtsstunde der BRD" - dass ich nicht lache - seit wann ist ein Buben-Ballspiel wichtig? "Wunder von Bern" - was soll daran ein Wunder sein? Unerwartetes Ergebnis eines langsamen Spiels - mehr nicht.
  • Kommentar von Franz Pfander , 6913 Carabbia
    Da das damalige grosse Reich in der Medizin an den Gefangenen und Juden absurdes verübt haben, teile ich den Doping-Verdacht zu mindestens 60%. Doping gibt es schon lange in allen möglichen Formen, wurde aber von mir aus gesehen von all den Beteiligten - wie von den drei Affen - behandelt. Nur Leistung zählt: um jeden Preis, sei es im Sport oder Karriere.
  • Kommentar von Juha Stump , Zürich
    Doping? Wer hat bis zur WM 1962 schon nicht nachgeholfen? - Das "Wunder von Bern" kam vor allem dadurch zustande, dass es an diesem Tag regnete, was den konditions- und kampfstarken Deutschen mehr entgegenkam als den ungarischen Künstlern, die bei schönem Wetter wohl sicher gewonnen hätten. Um Erfolg zu haben, braucht es oft auch Wetterglück. So hat Paul Breitner gesagt, dass sie das Spiel gegen die ebenfalls schön spielenden Polen bei der WM 1974 ohne den Regen wohl verloren hätten.