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Der Bärlauch und seine giftigen Doppelgänger

Die Verwechslung von Bärlauch mit den fast gleich aussehenden Blättern der Herbstzeitlosen kann tödlich verlaufen. Obwohl die Gefahr seit Jahrzehnten bekannt ist, kommt es jedes Jahr zu Vergiftungen.

Von März bis Mai duftet es an feuchten Bachrändern und in Mischwäldern nach dem «wilden Knoblauch», wie der Bärlauch wegen seines Aromas auch heisst, das ihn äusserst beliebt in der Küche macht.

Zur gleichen Jahreszeit spriessen im flachen Gelände (nicht an Hängen) auch die Herbstzeitlosen. Deren Blätter sind auf den ersten Blick kaum vom Bärlauch zu unterscheiden. Bei genauerem Hinschauen erkennt man das Bärlauchblatt am langen dünnen Stiel, während das Blatt der Herbstzeitlosen keinen Stiel hat.

Colchizin, das Gift der Herbstzeitlosen

Trotzdem klingelt beim Toxzentrum Schweiz in Zürich in der Bärlauchsaison regelmässig das Telefon. Zwischen 60 und 80 Anrufer melden sich jedes Jahr, weil sie eine Verwechslung befürchten.

Video
Bärlauch oder Herbstzeitlose?
Aus Puls vom 22.04.2013.
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Meist erweist sich der Verdacht als unbegründet. In 35 Fällen aber wurde in den vergangenen 15 Jahren eine Vergiftung mit Colchizin nachgewiesen. Drei Menschen starben am Gift der Herbstzeitlosen.

Vergiftungserscheinungen treten meist erst mit zwei bis sechs Stunden Verzögerung ein. Die Symptome: Brennen im Mund, Schluckbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen mit oft blutigen Durchfällen. Je nach Dosis kann es vor allem bei Kindern bis zum Tod durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen kommen, häufig beobachtet man auch Nierenschädigungen. Die Dosis lässt sich nur schwer festlegen, da die Colchizin-Konzentration in den Pflanzen stark variiert.

Auch mit Maiglöckchen kann man Bärlauch verwechseln. Das kann zwar zu Herzrhythmus-Störungen führen, tödlich ist das «Maieriesli» aber nicht.

Tipp: Wenn einige Stunden nach dem Genuss von «Bärlauch» Übelkeit, Erbrechen oder Durchfälle auftreten, sofort das Tox-Zentrum anrufen: Telefon 145

Typische Merkmale des Bärlauchs

  • Elliptische Blätter mit einem Stiel
  • Charakteristischer Knoblauchgeruch
  • Zwei Blätter pro Pflanze wachsen einzeln aus dem Boden
  • Weisse Blüten wachsen in späten Frühling doldenförmig

Typische Merkmale der Herbstzeitlosen

  • Lanzenförmige Blätter ohne Stiel
  • Geruchlos
  • Drei bis vier fleischige Blätter pro Stängel, sie umfassen diesen tulpenartig
  • Blüht erst im Herbst (violette Blüten)

Typische Merkmale des Maiglöckchens («Maieriesli»)

  • Elliptische Blätter
  • Geruchlos
  • Zwei bis drei Blätter umfassen den Stängel, ähnlich der Herbstzeitlosen
  • Mehrere kleine, weisse Blüten hängen vom Blütenstiel

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8 Kommentare

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  • Kommentar von M. Bolder , Muhen
    Immer wieder wird empfohlen, ein Blatt zwischen den Fingern zu verreiben und daran zu riechen. Das Problem bei diesem Vorgehen ist, dass die Hände nach dem ersten Test bleibend nach Bärlauch riechen und man somit auch bei anderen Pflanzen meinen könnte, es handle sich um Bärlauch. Um sicherzugehen, sollte man die Pflanzen rein optisch sicher erkennen können. Weitere hilfreiche Hinweise findet man im Internet z.B. bei Kai Sackmann oder auf Experiment Selbstversorgung; einfach googeln.
  • Kommentar von Jörg Keller , Kt. ZH
    Sehr guter Artikel, aber eine wichtige Ergänzung wäre empfehlenswert: Bärlauch aus dem Wald kann Wurm- und andere Krankheiten übertragen, wobei die verursachende Organismen durch die Ausscheidung von Tieren auf die Pflanze kommen.
  • Kommentar von Johannes Holder , St. Gallen
    Bärlauchblätter haben also Stil und die Blätter der Herbstzeitlosen ohne keinen Stiel... Was ist das bitte für ein Deutsch? Und welchen Stil haben denn die Bärlauchblätter? Abgesehen davon kann noch ergänzend gesagt werden, dass die Blätter des Bärlauchs auf der Unterseite stumpf sind und sie am Rand leicht zur Wellung neigen. Die Maiglöckchen haben Blätter, die auf der Unterseite glänzen.
    1. Antwort von SRF Gesundheit (SRF)
      Entschuldigen Sie bitte die Vertipper beim Überarbeiten des Artikels. Und danke für die Ergänzungen.