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Legende: Extrem unangenehm: Den roten Kopf können alle sehen. Colourbox
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Erythrophobie – Farbwechsel mit Leidensdruck

Die totale Blamage haben wir alle schon einmal erlebt. Das äussere Zeichen: ein knallroter Kopf.

Viele Menschen sind schon einmal in ihrem Leben in einer für sie unangenehmen Situation rot geworden. Aber zwischen dem kurzen Erröten wegen einer Blamage oder der ständigen Angst, rot zu werden, besteht ein deutlicher Unterschied.

Im Prinzip laufen beim Erröten in unserem Körper parallele Prozesse ab. In einer unangenehmen Situation bewertet das Gehirn blitzartig die Lage. Es entsteht körperlicher Stress, die Durchblutung steigert sich. Manchen grummelt eher der Magen oder sie verspannen sich, bei andere wechselt die Gesichtshaut die Farbe. Vielfach sind das Menschen, die tatsächlich eine dünnere Haut haben und denen man deswegen die Durchblutungssteigerung schnell ansieht. Und das wiederum erhöht Stresspegel zusätzlich.

Angst vor dem Farbwechsel

Gesellt sich dann zum an sich schon unangenehmen Erröten noch die Angst davor hinzu, spricht man von Erythrophobie. Sie ist aber nicht das eigentliche Problem, auch wenn sie vielfach so betrachtet wird, sondern nur ein Symptom einer Sozialphobie, genauer gesagt von Bewertungsängsten, sobald sich die Augen anderer Menschen auf die Person richten.

Dann rasen Fragen durch den Kopf: Blamiere ich mich jetzt? Was halten die anderen von mir? Lacht schon jemand? Das beginnt beim Referat vor der versammelten Klasse, geht über das Bezahlen an der Supermarktkasse und endet bei Vorträgen in der Vorstandsetage.

Audio
Voll blamiert: Menschen erzählen von peinlichen Situationen
56:57 min, aus Treffpunkt vom 16.09.2015.
abspielen. Laufzeit 56:57 Minuten.

Häufen sich die negativen Erfahrungen, kann das in Vermeidungsstrategien und sozialem Rückzug enden – in Ausreden, wenn man im Team präsentieren soll, oder im Vernachlässigen von Freundschaften, weil man sich nicht mehr ausser Haus in grösserer Runde treffen will.

Sich nicht vor schwierigen Situationen drücken

Betroffen sind vor allem junge, noch leicht zu verunsichernde Menschen, die ganz besonders von einem positiven Feedback des Umfelds abhängig sind. Bei manchen verliert sich das Problem mit der Zeit, andere nehmen es mit ins Erwachsenenleben. Der Leidensdruck ist enorm, denn das Problem ist für jedermann sichtbar.

Helfen können Entspannungsverfahren, aber auch, sich immer wieder in die Situation zu begeben, entweder mit psychologischer Hilfe oder ohne. Denn wer sich den Ängsten stellt, wird lernen, dass er sie durchstehen kann und deswegen besser mit seinem Problem umgehen lernen. Und es hilft, sich immer vor Augen zu halten, dass auch Menschen ohne Erythrophobie sich bis auf die Haut blamiert fühlen können – und zwar so, dass sie das Erlebnis nie wieder vergessen, wie der «Treffpunkt» auf Radio SRF 1 zeigt.

Und was sind Ihre peinlichsten Erlebnisse? Teilen Sie sie mit uns!

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4 Kommentare

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  • Kommentar von anastasya , triesen
    Diese Leute müssen ja ein extremer leidensdruck haben .jedem alles recht zu machen oder zu sagen geht sowieso nicht .wichtig ist mann soll es überzeugend bringen ,und sich nicht ständig unsicher fühlen .dies kann man lernen auch mit dem Alter kommt die reife .
  • Kommentar von F. Feller , Russikon
    Ich hatte dieses Leiden auch, dazu kam das Schwitzen. In Kombination eine explosive Peinlichkeitsmischung. Nur Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Akzeptanz der Veränderung meiner Gesichtsfarbe und hunderte Präsentationen halfen mir es zu überwinden. Ich werde heute noch im Gesicht rötlich wenn ich bervös bin, weil das mein Körper ist. Aber es ist mir völlig egal. Trete heute Souverän auf präsentiere gerne. Zum Glück!
  • Kommentar von Torsten Spielmann , Lenzburg
    Exposition ist eine Gradwanderung, es wird mit immer mehr Willenskraft gegen eine Prägung des Unterbewusstseins gegen gehalten - diese wird durch die ständige Konfrontation aber oft stärker. Wirkliche Hilfe ist ein Auflösen der durch das Unterbewusstsein gelernten Prägung - dann muss nichts mehr bekämpft werden.
    1. Antwort von Lukas Hatt , Basel
      Naja, die Wissenschaft zeichnet ein anderes Bild, die praktische Erfahrung sowieso. Konfrontation hilft oft, auch nachhaltig, individuell kann es sein, das jmd nicht so gut darauf anspricht. Dann braucht es ein anderes Vorgehen. Pauschalisieren kann man nicht. Jedem das was ihm/ihr hilft!