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Isländische Proteinbombe Skyr: Ist das High-Protein-Produkt den Hype wert?

Cremig, proteinreich, viral: Skyr-Desserts boomen auf Tiktok. Doch wie viel Substanz steckt dahinter?

Cheesecakes, Bowls, Pancakes: Wer derzeit durch Tiktok scrollt, kommt an einer Zutat kaum vorbei – Skyr. Besonders viral gehen sogenannte Lotus-Cheesecakes – Desserts mit Karamellkeksen –, bei denen das isländische Milchprodukt als Basis dient.

In unzähligen Rezeptvideos sollen die im Vergleich zu «normalen» Desserts deutlich mehr Eiweiss und weniger Fett liefern – mit Erfolg. In Deutschland berichten Supermärkte inzwischen sogar von zeitweise leergekauften Skyr-Regalen.

Auch in der Schweiz ist Skyr gefragt. Coop beobachtet schon länger eine steigende Nachfrage. «Skyr-Produkte liegen ganz generell im Trend», schreibt der Detailhändler auf Anfrage von SRF. Besonders Eigenmarken sowie Produkte der Marke Isey seien bei Kundinnen und Kunden beliebt.

Viel Protein – aber nicht einzigartig

Doch wie besonders ist Skyr aus ernährungswissenschaftlicher Sicht wirklich?

Skyr gilt als besonders eiweissreich. Tatsächlich enthält er rund 10 bis 12 Gramm Protein pro 100 Gramm. Damit gehört er zu den proteinreicheren Milchprodukten – allerdings nicht als Einziger.

«Skyr ist ein proteinreiches Milchprodukt und ernährungsphysiologisch sehr ähnlich zu Magerquark oder griechischem Joghurt», sagt Ernährungsberater Jürg Hösli. Unterschiede gebe es vor allem in der Herstellung und den verwendeten Bakterienkulturen.

Während Joghurt durch Milchsäurebakterien fermentiert wird, wird Skyr zusätzlich – ähnlich wie Quark – mit Lab dickgelegt. Dadurch wird die Konsistenz fester und der Geschmack etwas säuerlicher.

Protein im Vergleich

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Skyr liefert mit rund 10 bis 12 Gramm Protein pro 100 Gramm relativ viel Eiweiss. Entscheidend ist aber: Ähnliche oder höhere Werte finden sich auch in ganz anderen Lebensmitteln.

Zum Vergleich (je 100 g):

  • Magerquark: ca. 10 bis 12 Gramm
  • Hüttenkäse: ca. 11 bis 12 Gramm
  • Ei (ganz): ca. 12 bis 13 Gramm
  • Pouletbrust (gegart): 25 bis 30 Gramm
  • Linsen (gekocht): 7 bis 8 Gramm

Das zeigt: Skyr ist ein proteinreiches Lebensmittel – aber längst nicht das effizienteste. Fleisch oder Eier liefern meist deutlich mehr Protein pro Portion, pflanzliche Quellen wie Hülsenfrüchte etwas weniger - dafür enthalten sie mehr Ballaststoffen, die auch wichtig sind.

Entscheidend ist deshalb weniger das einzelne Lebensmittel als die Gesamtzufuhr über den Tag.

Einen besonderen gesundheitlichen Vorteil gegenüber anderen fermentierten Milchprodukten gebe es jedoch nicht. «Aus ernährungsphysiologischer Sicht handelt es sich um sehr vergleichbare Lebensmittel», so Hösli.

Warum Skyr gerade viral geht

Dass Skyr derzeit so stark in sozialen Medien auftaucht, hat auch mit einem grösseren Ernährungstrend zu tun: High Protein.

«Protein ist ein zentraler Nährstoff für Muskelmasse, Regeneration, Hormone und zahlreiche Stoffwechselprozesse», sagt Hösli. In der Ernährungsberatung gelten heute häufig 1.2 bis 1.4 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht als sinnvoll – bei vielen Erwachsenen also grob zwischen 70 und 100 Gramm pro Tag, je nach Körpergewicht und Aktivität.

Dazu kommt ein praktischer Effekt: «Proteine sättigen relativ lange», sagt Ernährungsberaterin Jeanette Siegenthaler. Genau das macht Skyr für Social-Media-Rezepte attraktiv: Desserts sehen cremig und üppig aus, liefern aber relativ viel Protein und meist weniger Fett als klassische Varianten.

Entscheidend bleibt die Balance

Trotz des Protein-Booms warnen Fachleute davor, einzelne Nährstoffe zum Wundermittel zu erklären. «Man sollte den Fokus nie auf ein einzelnes Lebensmittel lenken», so Siegenthaler. Entscheidend sei immer die gesamte Ernährung.

Problematisch werde es etwa, wenn proteinreiche Produkte zunehmend komplexe Kohlenhydrate verdrängen. «Allein Gehirn und rote Blutkörperchen benötigen täglich rund 130 bis 170 Gramm Kohlenhydrate», erklärt Hösli.

Was passiert, wenn wir zu wenig Kohlenhydrate essen?

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Kohlenhydrate sind die wichtigste Energiequelle des Körpers. Wird die Zufuhr stark reduziert, reagiert der Körper mit einem Notprogramm: Kurzfristig kann das funktionieren. Studien zeigen aber, dass eine dauerhaft sehr kohlenhydratarme Ernährung mit Leistungsabfall, erhöhter Stressbelastung und hormonellen Ungleichgewichten verbunden sein kann – besonders bei Menschen mit hoher kognitiver oder körperlicher Belastung.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gilt deshalb: Nicht der Verzicht auf Kohlenhydrate ist entscheidend, sondern die Balance der Makronährstoffe.

Skyr kann also durchaus Teil einer ausgewogenen Ernährung sein – auch im viralen Cheesecake von Tiktok. Das Versprechen dahinter ist allerdings grösser als der Unterschied im Kühlregal.

Radio SRF 3, 19.3.2026, 10:40 Uhr

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