Der Ausbruch: In der süditalienischen Region Kampanien häufen sich die Fälle von Hepatitis A. Seit Jahresbeginn wurden mehr als 130 Infektionen bestätigt. Zum Vergleich: In der Schweiz treten bis zu 100 Fälle pro Jahr auf. Besonders betroffen ist Neapel. Als wahrscheinliche Ursache gilt der Konsum von rohen oder ungenügend gegarten Muscheln.
Die Krankheit: Eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus löst eine Leberentzündung aus. Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Auftreten der Symptome vergehen in der Regel rund 30 Tage. Anders als bei anderen Hepatitis-Viren droht jedoch keine chronische Infektion. In der Regel heilt eine Hepatitis-A-Infektion nach Wochen oder Monaten von selbst aus und hinterlässt eine lebenslange Immunität.
Die Symptome: Viele Infizierte entwickeln eine Gelbsucht, die sich durch eine Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und der Augen-Lederhaut äussert. Typische Beschwerden sind zudem Fieber, Unwohlsein, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Bei Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren verläuft die Infektion meist symptomatisch, während bei jüngeren Kindern nur in etwa 30 Prozent der Fälle Symptome auftreten.
Die Übertragungswege: Hepatitis-A-Viren werden über kleinste Spuren von Fäkalien übertragen, die über das Trinkwasser oder Nahrungsmittel in den Körper gelangen. Weitere Übertragungswege sind Analsex oder eine unzureichende Handhygiene. Der aktuelle Ausbruch in Kampanien ist gemäss epidemiologischen Analysen hauptsächlich auf den Verzehr von rohen Meeresfrüchten zurückzuführen. Das deutet darauf hin, dass verunreinigtes Abwasser in Muschelzuchtanlagen gelangt ist, wodurch die Muscheln Krankheitserreger aufgenommen und angereichert haben.
Die regionalen Massnahmen: Bereits Ende Februar hat die Region Kampanien verstärkte Kontrollen der Muschel-Lieferkette angeordnet und die Bevölkerung auf Hygienemassnahmen hingewiesen. Der Bürgermeister von Neapel hat nun ein Verbot für den Verzehr roher Meeresfrüchte in öffentlichen Einrichtungen erlassen – mit Bussgeldern von bis zu 20’000 Euro.
Vorbeugungsmassnahmen: Eine Hepatitis-A-Infektion lässt sich zwar mit einer Impfung vorbeugen. Allerdings ist diese in der Schweiz nur für Risikogruppen empfohlen. Darunter fallen etwa Männer mit sexuellen Kontakten zu Männern oder Reisende in ein Risikogebiet, also tropische Regionen, den Mittelmeerraum sowie Osteuropa. Abgesehen von der Impfung gelten Hygienemassnahmen als wichtigstes Präventionsmittel: regelmässig Hände waschen und in Risikogebieten nicht abgekochtes Wasser meiden, Früchte selbst schälen und nur ausreichend erhitzte Speisen konsumieren.
Reisehinweise: Der Ausbruch trifft die Region Kampanien zu einer beliebten Reisezeit. Das Deutsche Aussendepartement hat seine Reisehinweise entsprechend aktualisiert und weist auf die gängigen Vorbeugungsmassnahmen hin. Hepatitis Schweiz teilt auf Anfrage mit, die aktuelle epidemiologische Lage in Italien nicht einschätzen zu können, da keine eigenen Erhebungen oder detaillierten Daten vorliegen. Der gemeinnützige Verein empfiehlt ebenfalls vor Ort vorerst auf rohe Meeresfrüchte zu verzichten, die Hände regelmässig zu waschen und nur Wasser zu trinken, dessen Herkunft sichergestellt ist.