Phosphor wird aus Hartgestein abgebaut und ist geografisch ungleich über die Welt verteilt. 80 Prozent der Ressourcen liegen in Marokko und der westlichen Sahara. Die Schweiz hat keine geologischen Lagerstätten für Phosphor und muss ihren gesamten Bedarf importieren.
Hier kommt nun die Kreislaufwirtschaft ins Spiel: Die Schweiz habe aufgrund der Gesetzgebung und ihrer politischen Strategie sehr früh angefangen, verbindliche Vorgaben für Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm zu formulieren, erklärt Christine Alewell, Professorin für Umweltwissenschaften an der Universität Basel. «Insofern ist die Schweiz Pionierin.»
Klärschlamm ausbringen seit 2006 verboten
Doch wie hängen Klärschlamm und Phosphor zusammen? Über die Toilette. In menschlichen Ausscheidungen steckt viel Phosphor drin – und dieser landet übers Abwasser als Klärschlamm in den Kläranlagen.
Früher durften die Landwirte solchen Klärschlamm als Dünger auf ihren Feldern ausbringen. Seit 2006 ist dies verboten – ein richtiger Entscheid, findet Daniel Rensch, Geschäftsführer der Kläranlage der Stadt Zürich: «Man hat auf diese Weise auch problematische Stoffe wie Schwermetalle und Chemikalien auf die Felder gebracht», sagt der Umweltingenieur. Seit dem Verbot werde Klärschlamm verbrannt und in Deponien endgelagert.
2016 trat jedoch ein Gesetz in Kraft, das Akteure wie Daniel Rensch verpflichtet, den guten Stoff rauszuziehen: «Vorgesehen ist, Phosphor aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen und ihn als Dünger oder anderen Phosphorprodukten in den Kreislauf zurückzubringen.» Und zwar innerhalb von zehn Jahren, also – theoretisch – seit dem 1. Januar 2026.
Dieser Termin ist verstrichen. Die Technik sei nicht das Problem, sagt Daniel Rensch: «Es gibt mehrere erprobte Verfahren, die jetzt den Sprung brauchen in eine grossindustrielle Anlage, und an diesem Sprung verzweifeln wir momentan.»
Mehrere Rückgewinnungsanlagen geplant
Auf politischer Ebene ist man gelassener. Bundesrat und Parlament geben den Kantonen neu bis 2028 Zeit, um eine Klärschlammplanung zu machen, erklärt Rahel Galliker, Vizedirektorin des Bundesamts für Umwelt. «Zudem ist festgelegt, dass die Pflicht zur effektiven Rückgewinnung dann beginnt, wenn wir eine erste Rückgewinnungsanlage haben.»
Das ist Pionierarbeit, insbesondere für diejenigen, die diese Anlagen planen und betreiben wollen, aber auch für die Kantone.
Im Moment gebe es noch keine solche Anlage. Doch es seien mehrere Anlagen in Planung, und zwar in Zuchwil (SO), Oftringen (AG) und Bazenheid (SG). Beim letztgenannten Projekt sei bereits dieses Jahr der Spatenstich geplant.
«Das ist Pionierarbeit, insbesondere für diejenigen, die diese Anlagen planen und betreiben wollen, aber auch für die Kantone», sagt Rahel Galliker.
Kosten und andere Hürden
Der Kanton Zürich etwa ist am Grossprojekt im solothurnischen Zuchwil beteiligt. Kläranlagebetreiber Daniel Rensch möchte am liebsten schon morgen mit Bauen beginnen. 150 bis 200 Millionen Franken werde die Anlage kosten. Die Finanzierung sei nicht die einzige Hürde: «Wir wissen noch nicht genau, wer uns den Phosphor abnimmt, ob die Bauern diesen kaufen werden.»
Recycelter Phosphor sei im besten Fall drei bis vier Mal teurer als jener, der auf dem Weltmarkt gehandelt werde, sagt Rensch. Das sei der Wermutstropfen des Phosphorkreislaufs.