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Genmücken sollen Malaria ausrotten
Aus Wissenschaftsmagazin vom 12.12.2015.
abspielen. Laufzeit 06:36 Minuten.
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Mit Gentech gegen Malaria

Mückennetze, Medikamente, Schutzkleider – vor Malaria kann man sich mit zahlreichen Massnahmen schützen. Trotzdem ist die Krankheit in vielen Ländern immer noch ein grosses Problem. Verschiedene Forscher wollen das Übel nun dort bekämpfen, wo seine Wurzeln liegen: in den Moskitos.

Gleich zwei Wissenschaftlergruppen ist es in den letzten Wochen gelungen, Moskitos zu züchten, die beim Kampf gegen Malaria helfen könnten. Die erste Gruppe an der University of California in Irvine hat die Tiere so verändert, dass sie den Menschen nicht mehr mit Malaria anstecken können: In die Stechmückenart Anopheles stephensi, die in Indien Malaria überträgt und für etwa 100'000 Malariatote pro Jahr verantwortlich ist, konnte ein Gen eingeschleust werden, das die Mücke selbst resistent gegenüber dem Malaria-Erreger macht ­– so können sie den Parasit auch nicht mehr auf den Menschen übertragen.

Eine zweite Forschergruppe am Imperial College London veränderte die Genetik der Art Anopheles gambiae, die vor allem in Afrika verbreitet ist. Die Forscher konnten damit erreichen, dass die Moskito-Weibchen unfruchtbar wurden.

Schutz und Medikamente weiter nötig

Der Clou in beiden Fällen: Die neu eingeschleusten Gene werden bei der Fortpflanzung auf praktisch alle Nachkommen übertragen. Somit könnte sich die Modifikation rasend schnell in einer breiten Population von Moskitos ausbreiten.

Noch sind beide Forschergruppen ein gutes Stück davon entfernt, dass man die genetisch veränderten Blutsauger in die freie Wildbahn aussetzen könnte. Doch auch Kollegen, die nicht an der Studie beteiligt waren, sind optimistisch, dass das Konzept erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden kann.

Allerdings betonen die Wissenschaftler, dass es auch weiterhin andere Massnahmen brauchen wird, um Malaria zu bekämpfen, wie Moskitonetze zur Prävention und wirksame Medikamente für die Behandlung. Modifizierte Moskitos könnten aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die gefährliche Krankheit zu besiegen.

Auch wenn Vorsorge und Behandlung ständig verbessert werden, ist Malaria immer noch eine grosse gesundheitliche Bedrohung: Alleine 2015 werden laut der WHO 438'000 Menschen der Krankheit zum Opfer fallen. 214 Millionen werden sich angesteckt haben, ein grosser Teil davon im Afrika südlich der Sahara.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Georg Schurr , Horgen
    Aber auch so wird sich dies nicht "rasend schnell" ausbreiten weil ja die Nachkommensgeneration stirbt und das alles sehr lokal (rund um die Aussetzung der genmanipulierten Männchen) geschehen wird.
  • Kommentar von Georg Schurr , Horgen
    So ein Unsinn. Lesen die Verfasser des Artikels den Text selbst nicht? "Die Forscher konnten so erreichen, dass die Mosquito-Weibchen unfruchtbar wurden." Und einen Satz weiter unten: "Der Clou in beiden Fällen: Die neu eingeschleusten Gene werden bei der Fortpflanzung auf praktisch alle Nachkommen übertragen." Reiner Blödsinn!
    1. Antwort von (SRF)
      Nein, das ist korrekt so: Die erste Generation - genetisch manipulierte Moskitomännchen - muss die genetische Veränderung erst einmal weitergeben. Der Grossteil der daraus hervorgehenden Weibchen ist dann wie beschrieben unfruchtbar. Die Methode greift also erst in der Folgegeneration. Denn andernfalls müssten ja alle Moskitoweibchen eingefangen und "geimpft" werden ...