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Neuer Bluttest Alzheimer erkennen, bevor das Vergessen beginnt

Alzheimer gesichert festzustellen ist sehr aufwändig. Ein Bluttest, basierend auf bestimmten Biomarkern, könnte die Diagnostik wesentlich vereinfachen. Zwei solcher Tests sind vor kurzem für die Früherkennung von Alzheimer zertifiziert worden. Sie werden bereits eingesetzt, auch in der Schweiz.

Alzheimer ist zweifellos eine verstörende Krankheit. Für Betroffene und auch Angehörige. Das Gedächtnis, die geistige Leistungsfähigkeit allgemein, die Vorstellung vom eigenen Ich – alles fällt auseinander.

Der Prozess beginnt schleichend: «Die Symptome sind vor allem zu Beginn der Erkrankung gar nicht so typisch», sagt der Psychiater Julius Popp, Spezialist für Demenzerkrankungen am Hirslanden-Zentrum für Gedächtnisstörungen und Alzheimer in Zürich. «Selbst Expertinnen und Experten gelingt es nicht gut, allein auf der Grundlage der Symptome eine genaue Zuordnung zur Erkrankung vorzulegen. Das heisst, man kann falschliegen.»

Wie Alzheimer herkömmlich getestet wird

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In der Schweiz leben schätzungsweise 100’000 Menschen mit Alzheimer, Tendenz steigend. Nur etwa die Hälfte von ihnen hat eine fachärztliche Diagnose; global ist der Anteil noch wesentlich tiefer.

Alzheimer wird in einem ersten Schritt klinisch diagnostiziert, das heisst anhand der äusserlichen Symptome und mit Hilfe neuropsychologischer Tests. Für eine eindeutige Diagnose braucht es eine Untersuchung des Nervenwassers oder eine Bildgebung mittels der sogenannten Positronenemissionstomografie, kurz PET. Es sind aufwändige, teure und für den Patienten unangenehme Untersuchungen, die nur in spezialisierten Zentren verfügbar sind.

Das könnte sich bald ändern: mit neuen Tests, die Alzheimer im Blut nachweisen.

Ein wesentlicher Sprung nach vorn

Im Mai haben gleich zwei solcher Bluttests die europäische CE-Zertifizierung bekommen und können nun auch ohne spezielle Zulassung in der Schweiz eingesetzt werden. Beide Tests basieren auf einem Biomarker: pTau217.

Ein Biomarker-Ergebnis ist keine Diagnose, sondern nur ein Puzzlestein innerhalb eines Gesamtbildes.
Autor: Julius Popp Spezialist für Demenzerkrankungen

Dabei handelt es sich um ein spezielles Protein, das mit den Amyloid-Proteinen im Gehirn zusammenhängt und mit den krankhaften Ablagerungen (Plaques), die typisch sind für Alzheimer.

Allerdings: «Ein Biomarker-Ergebnis ist keine Diagnose, sondern nur ein Puzzlestein innerhalb eines Gesamtbildes», sagt Julius Popp. Trotzdem sei der Test ein «wesentlicher Sprung nach vorn». Fachpersonen versprechen sich davon eine deutliche Verbesserung im gesamten diagnostischen Prozess.

Einer älteren Frau wird im Warnerford Hospital, Oxford, Blut entnommen von einer Person mit blauen Handschuhen.
Legende: Für den Test wird Blut abgenommen, das dann im Labor auf den Biomarker pTau217 analysiert wird. imago images/News Licensing

Popp setzt den Bluttest in seinem Zentrum an der Hirslanden-Klinik für Neurologie bereits ein. Zudem engagiert er sich fürs Thema im Vorstand der Swiss Memory Clinics: Dort leitet er eine Arbeitsgruppe, die an nationalen Leitlinien arbeitet. Ein wesentlicher Punkt sei, den Test nur bei Menschen einzusetzen, die bereits Symptome von Alzheimer aufweisen.

Es ist kein Präventionstest, sondern man muss vorher gewisse Symptome haben.
Autor: Valerie Bösch Alzheimer Schweiz

Das ist künftig auch in der Hausarztpraxis vorgesehen. Valerie Bösch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Patientenorganisation Alzheimer Schweiz, begrüsst dies. «Es ist jedoch wichtig, dass die Hausärztin oder der Hausarzt sich befähigt fühlt, diesen Test durchzuführen und die Ergebnisse einzuordnen.»

Der Bluttest sei nicht dafür gedacht, sich «einfach so» auf Alzheimer testen zu lassen, etwa weil die Krankheit zum Beispiel in der Familie gehäuft vorkommt. «Es ist kein Präventionstest, sondern man muss vorher gewisse Symptome haben», betont Bösch.

Anzeichen von Alzheimer

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Die ersten typischen Anzeichen von Alzheimer sind oft sehr subtil und entwickeln sich langsam. Häufige Frühsymptome sind:

  • Gedächtnisprobleme, insbesondere das Vergessen von kürzlich gelernten Informationen, Terminen oder Gesprächen.
  • Wiederholtes Stellen derselben Fragen oder Erzählen derselben Geschichte.
  • Schwierigkeiten beim Planen oder Organisieren, zum Beispiel beim Bezahlen von Rechnungen oder Befolgen eines bekannten Rezepts.
  • Probleme bei alltäglichen Aufgaben, etwa den Weg zu einem vertrauten Ort zu finden oder Geräte zu bedienen, die früher problemlos genutzt wurden.
  • Orientierungsprobleme in Zeit und Ort, zum Beispiel Verwechseln von Datum, Wochentag oder Aufenthaltsort.
  • Wortfindungsstörungen, also Schwierigkeiten, die richtigen Begriffe zu finden oder Gesprächen zu folgen.
  • Veränderungen der Stimmung oder Persönlichkeit, etwa mehr Unsicherheit, Rückzug oder Reizbarkeit.

Wichtig: Normale Altersvergesslichkeit (beispielsweise gelegentlich einen Namen vergessen und später wieder erinnern) ist nicht dasselbe wie Alzheimer. Entscheidend ist, ob die Gedächtnisprobleme den Alltag beeinträchtigen.

Mehr Informationen: www.alzheimer-schweiz.ch

Noch hat das Bundesamt für Gesundheit nicht entschieden, ob die Grundversicherung die Kosten für den Test übernehmen soll, die gemäss Popp rund 50 Franken betragen.

Hoffnung: Demenz bekämpfen, bevor sie ausbricht

Ein Gedanke, der den Alzheimer-Spezialisten beschäftigt, ist, dass sich die Menschen diesen günstigen Test schnell mal eben im Internet oder sonst wo besorgen könnten. «Die Gefahr ist in der Tat da, dass dieser Test falsch eingesetzt wird», so Popp.

Mit «falsch einsetzen» meint Julius Popp: testen, ohne dass irgendwelche Symptome da sind. Doch gerade mit dieser Vorstellung, Alzheimer im Gehirn zu entdecken, bevor sich Symptome zeigen, ist auch eine grosse Hoffnung, gar eine Zukunftsvision verknüpft, nämlich: die Krankheit zu bekämpfen, bevor sie ausbricht.

«Alzheimer hautnah»

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Zwei ältere Menschen in Hemden lächeln.
Legende: SRF

Die Gesundheitssendung «Puls» durfte Karl und Annette Baumann vier Jahre lang im anstrengenden Alltag mit der fortschreitenden Demenz begleiten.

Alle Folgen der Serie

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 11.7.2026, 18:00 Uhr

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