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Eine Spitze wird in einen Oberarm gesetzt.
Legende: Immunisierungen werden häufig als Spritzen verabreicht, es gibt aber auch Alternativen wie Tropfen oder sogar Pflaster. Colourbox
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Wenn aus Heuschnupfen Asthma wird

Ein starker Heuschnupfen kann mit der Zeit zu allergischem Asthma werden und weitere Allergien nach sich ziehen. Viele unterschätzen dieses Risiko, warnen Experten, und setzen auf Symptombehandlung statt auf eine wirksame Therapie wie die auch als «Allergieimpfung» bekannte Immuntherapie.

Viele der gegen zwei Millionen Pollenallergiker und -allergikerinnen in der Schweiz haben es schon hautnah erfahren: Die Heuschnupfensaison hat dieses Jahr früher begonnen als sonst, und sie befindet sich zurzeit auf einem Höhepunkt. Vor allem Kinder und Jugendliche reagieren allergisch auf Pollen in der Luft, zurzeit von Birken, Platanen und anderen Bäumen.

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Wenn aus Heuschnupfen Asthma wird
aus Wissenschaftsmagazin vom 19.04.2014.
abspielen. Laufzeit 7 Minuten 14 Sekunden.

Wem der Blütenstaub nur ein paar Nieser pro Tag beschert, braucht sich deswegen noch keine grossen Gedanken zu machen. Doch wenn die Nasenschleimhäute so stark anschwellen, dass die Nasenatmung behindert ist, sollte man den Heuschnupfen ernst nehmen, sagt Arthur Helbling, leitender Allergologe am Berner Inselspital. Denn bei einem solch starken Heuschnupfen leiden viele unter Schlaf- und Konzentrationsproblemen. «Und sie haben auch ein gewisses Risiko, später andere Allergien zu entwickeln», so Helbling, zum Beispiel Nahrungsmittelallergien, Hautexzeme und – öfter als bekannt – allergisches Asthma.

Kinder am meisten gefährdet

Am ausgeprägtesten bestehe das Asthmarisiko bei Kindern und Jugendlichen: «Um die 30 Prozent der Heranwachsenden mit unbehandeltem Heuschnupfen leiden später an Asthma, wie Erhebungen belegen», sagt Georg Schäppi vom Allergiezentrum Schweiz.

Was also können Pollenallergiker tun, um einen solch unheilvollen Verlauf der Pollenallergie zu verhindern? «Sie sollten nicht bloss die Symptome, sondern die Ursache des Heuschnupfens behandeln», sagt Arthur Helbling, «und eine Immuntherapie machen, auch bekannt als Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung». Bei dieser Behandlung wird das überaktive Immunsystem der Allergiker an die allergieauslösenden Stoffe (Allergene) gewöhnt, indem die Allergene über längere Zeit in steigender Dosierung meist unter die Haut gespritzt werden.

Wirksam doch wenig gefragt

Die Immuntherapie gilt als einzige nachhaltig wirksame Heuschnupfenbehandlung. Bei der Mehrheit der Allergiker gehen die Heuschnupfen-Symptome zurück, wie Überprüfungen von Studien durch die unabhängige Cochrane-Collaboration belegen; bei immerhin einem Drittel lässt sich eine Verschlimmerung hin zu Asthma vermeiden. Auch schon vorhandenes allergisches Asthma kann sich verbessern, jeder fünfte Betroffene kann die Medikamente reduzieren.

Trotzdem wird die Immuntherapie in der Praxis nur wenig genutzt. Von einem «Allergie-Desaster» sprach kürzlich die Frankfurter Allgemeine Zeitung und zitierte aktuelle Erhebungen des dortigen Allergologenverbands und der Gesellschaft für Konsumforschung. Die zeigen, dass die Immuntherapie in Deutschland neuerdings sogar zurückgeht. Für die Schweiz gibt es keine vergleichbaren Zahlen. Doch auch hierzulande würden heute zu wenige Heuschnupfengeplagte eine solche Therapie machen, sagen Fachleute wie Arthur Helbling. Den Angaben des Allergiezentrums Schweiz zufolge sind es rund zehn Prozent der Heuschnupfengeplagten.

Die Risiken des Heuschnupfens würden unterschätzt, erklären sich Fachleute die mässige Nachfrage. Mitspielen dürfte zudem, dass auch diese Behandlung eben nicht in jedem Fall hilft und eher umständlich ist. Sie beginnt am Ende der Pollensaison und sollte dann ab der kommenden Saison wirken – allerdings nur bis wenige Jahre nach der Behandlung, nachher muss sie erneut durchgeführt werden. Auch dauert die Behandlung selbst drei, vier Jahre; während dieser Zeit muss man immer mal wieder in die Arztpraxis für eine neue Spritze. Das ist wohl so manchen zu viel Aufwand.

Tendenz zu Tabletten statt Spritzen

Allerdings gibt es mittlerweile eine einfachere Alternative zu den Spritzen: die Immuntherapie mit Tabletten (gegen Gräserpollenallergien) und Tropfen (gegen Baumpollenallergien), die man unter der Zunge vergehen lässt. Diese «sublinguale» Immuntherapie scheint bisher gut verträglich und sicher zu sein. Es brauche zwar noch mehr Forschung, sagt Suzana Radulovic vom King’s College in London, die vor einiger Zeit fürs Cochrane-Expertennetzwerk Studien zur Wirkung der sublingualen Immuntherapie überprüft hat. Doch könnten die Tabletten und Tropfen ähnlich wirksam sind wie die Spritzen. «Sie scheinen das Risiko für zusätzliche Allergien ebenfalls abzumildern», sagte Radulovic gegenüber Schweizer Radio SRF.

Gute Nachrichten also für Allergiker und Allergikerinnen. Denn die Immuntherapie mit Tabletten oder Tropfen lässt sich nach der Indikation durch den Arzt selbständig durchführen, daheim oder sonstwo. Das ist einfacher als das Spritzen-Prozedere. Damit sich aber künftig mehr Pollenallergiker zu einer Immuntherapie entschliessen, brauche es auch mehr Aufklärung, sagt Allergologe Arthur Helbling, etwa in der Ärzteausbildung. Sogar Ärzte wüssten oft zu wenig Bescheid über Allergien und dass die Immuntherapie sinnvoll sei.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von olga frick , triesen
    Nicht jeder kann nach Panama reisen leider .aber wenn jemand dass kann sollte man in panama sein wenn bei uns die pollenzeit beginnt .ich bin ganz extrem allergikerin mit Asthma.in Panama ist nach dem dritten Tag alles weg .es ist traumhaft gesund zu sein
  • Kommentar von H. Bernoulli , Zürich
    Das Problem der Immuntherapie mit Spritzen ist die Menge an Aluminium, welche mit unter die Haut gespritzt wird. Vielleicht gibt es inzwischen solche Therapien ohne Aluminium. Aluminium steht im Verdacht, ein Nervengift zu sein. Eine Bioresonanz-Therapie ist eine durchaus sinnvolle Alternative - funktioniert auch nicht immer.
  • Kommentar von P. Federer , Meilen
    Ich wollte früher auch mal eine Immuntherapie durchführen. Nachdem ein Kollege von mir eine gemacht hatte und seither das ganze Jahr mit tränenden Augen und Taschentuch an der Nase zu sehen ist, habe ich entschieden das nicht zu tun. Ich weiche aus, gehe in die Höhe. Es ist genau die Asthmaproblematik, die mich dazu veranlasst hat. Meine Erfahrung ist, Medikamente sind schlussendlich kontraproduktiv.