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Das ändert sich Google verändert nach Jahrzehnten die Suche

Nachdem Google im letzten Jahr immer mehr KI-Funktionen eingeführt hat, werden diese nun direkt in die Google Suche integriert. Die Suche solle «durch und durch KI-Suche» werden, kündigt Liz Reid an der Google Entwickler-Keynote an. Was das für Userinnen, Verleger und Online-Shopping heisst.

Tanja Eder

Digitalredaktorin bei SRF

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Tanja Eder hat Wirtschafts- und Politikwissenschaften in Zürich und Genf studiert und am Schweizer Finanzplatz gearbeitet. Seit 2022 ist sie Teil der SRF-Digitalredaktion. Ihre Spezialgebiete sind die ökonomischen, geopolitischen und sozialen Dimensionen der Digitalisierung, die Cybersecurity und Games.  

Was ist die «intelligente Suchbox»?

Es ist legendär: Das einfache Textfeld von Google, das seit Jahrzehnten als Einstiegstor ins Internet dient. Diese Box soll nicht mehr einfach nur zu den Stichworten passende Links liefern, sondern direkt die bislang separaten KI-Funktionen («AI Overview» und «AI Mode») einbinden.

Statt Stichworte soll man nun komplexe Aufgabenstellungen schildern wie: «Was soll ich für meine Sommerferien diesen Juni im Tessin einpacken?» Die KI macht Vorschläge, um die Frage zu präzisieren. Sie analysiert die Frage und liefert passende Inhalte, zum Beispiel eine KI-Antwort und den Wetterbericht für diese Zeit. Das alles soll zusätzlich zu den klassischen Links angezeigt werden. Auch weiterführende Fragen sollen möglich sein.

Die neue Google-Suche wird in den nächsten Tagen verfügbar werden.

Google I/O '26 Keynote (Englisch)

Wie soll «Agentic Coding» die Suche verändern?

Ab dem Sommer sollen weitere KI-Fähigkeiten zur Google-Suche hinzukommen. Mit einem KI-Programmier-Tool, das im Hintergrund läuft, soll die Google-Suche zu einer Frage passend zum Beispiel Erklärgrafiken oder interaktive Statistiken erstellen können.

An der Keynote wurde zum Beispiel ein interaktiver Wochenendplaner gezeigt, der nicht nur Vorschläge macht, was man unternehmen könnte, sondern den Plan auch gleich mit dem eigenen Kalender abgleicht, Wetterberichte mitliefert und den Fahrtweg auf der Karte einplant.

Was ist «Agentic Shopping»?

Beim Agentic Shopping gibt man einer KI den Auftrag, bestimmte Waren zu suchen, auszuwählen und je nachdem auch direkt zu kaufen. Das soll ab Sommer direkt in Google Search möglich werden, mit einem Warenkorb über verschiedenste Plattformen hinweg und der Möglichkeit, direkt über Google zu bezahlen statt in verschiedenen Onlineshops. Der KI-Agent soll auch direkt Anbieter kontaktieren können, etwa den Coiffeur nach Öffnungszeiten und Preisen fragen.

Auch diese Funktion soll ab Sommer ausgerollt werden.

Eine gemeinsame Sprache für Einkaufsagenten

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Um Agentic Shopping zu ermöglichen, arbeitet Google an Standards, damit verschiedene Agenten untereinander und mit den Online-Shops kommunizieren können:

Universal Commerce Protocol (UCP)

Dieser offene Standard soll eine «gemeinsame Sprache» für alle Shopping Agents werden. Mit an Bord seien bereits viele grosse Player wie Shopify, Etsy, Mastercard, Visa, Zalando, Amazon, Meta und Microsoft.

Agent Payments Protocol (AP2)

Um das Einkaufen via Agent sicherer zu gestalten, entwickelt Google einen standardisierten Prozess. Damit sollen Nutzende Leitplanken setzen können (unter anderem den maximalen Preis), alle Schritte des Prozesses sollen festgehalten und die Privatsphäre soll gewahrt werden.

Universal Cart

Das dritte Puzzlestück soll der «universelle Einkaufswagen» von Google sein. Darin sollen Produkte aus verschiedensten Shops abgelegt werden können. Dank der Integration mit der Google Wallet soll auch direkt im Cart bezahlt werden können, statt auf jeder Website einzeln.

Wieso macht Google das und was heisst das für uns?

Google muss zusehen, dass Nutzerinnen und Nutzer nicht zu Chatbots (ChatGPT und Co.) abwandern. Das hat es bereits getan, indem es mit dem «KI-Modus» einen eigenen Chatbot anbietet – das ist nun der nächste Schritt. Ausserdem will Google die Nutzenden möglichst auf eigenen Anwendungen (Suche, Chrome, Youtube, etc.) halten: Es gibt bald kaum mehr Gründe, auf andere Websites zu gehen. Alles lässt sich direkt in Google erledigen.

Für uns heisst das weniger Wahlmöglichkeiten. Viele Leute wollen gar nicht via KI suchen, das wird aber immer schwieriger zu umgehen. Immerhin gibt es weiterhin sehr gute alternative Suchmaschinen.

Weniger gut entziehen können sich alle, die mit der zunehmenden KI-Integration einbrechende Besucherzahlen auf ihren Websites und damit weniger Werbeeinnahmen haben, allen voran die Medien. Neu kommen auch Online-Plattformen wie Galaxus, Booking.com oder Skyscanner dazu – diese könnten überflüssig werden, wenn Kundinnen und Kunden ihre Produkte direkt über Google suchen, sammeln, vergleichen und kaufen.

SRF 4, 20.5.2026, 16:05 Uhr; wilh

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