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Gamechanger KI Vibe Coding: Wird das Programmieren dank KI zum Kinderspiel?

Die künstliche Intelligenz schreibt Software und der Mensch schaut zu. Das hat einschneidende Folgen für den Arbeitsmarkt und das Programmieren, wie wir es kennen.

«Dank KI zum schnellen Geld!» Mit diesem Versprechen sorgt derzeit ein Hype in den sozialen Medien für Aufmerksamkeit. Nutzerinnen und Nutzer sollen mithilfe von künstlicher Intelligenz und ganz ohne Programmierkenntnisse selbst Programme entwickeln können. Das Buzzword dahinter: Vibe Coding.

Damit Computer ein Programm ausführen können, braucht es sogenannte Codes, also eine Reihe von Anweisungen in einer spezifischen Computersprache wie C++, Java oder Python. Früher haben Softwareentwickler und Informatiker diese Codes geschrieben. Jetzt kann die künstliche Intelligenz einen Teil dieser Aufgabe übernehmen.

Vibe Coding mit Coding-Agenten

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Symbolbild Mensch/KI
Legende: imago images/Piero Nigro

Beim Vibe Coding teilt man einer künstlichen Intelligenz in Prosa mit, welches Problem man lösen möchte. Die KI sucht dafür eine passende Lösung und schreibt den Code.

Weit verbreitet ist heute das Programmieren mit Coding-Agenten. Coding-Agenten schreiben nicht nur Code, sie führen ihn auch aus, überprüfen und korrigieren ihn.

Coding-Agenten haben viel Macht über den Computer: Sie können Dateien erstellen, suchen, verändern und löschen. Den Coding-Agenten werden deshalb Benimmregeln mitgegeben: So müssen sie etwa den User um Erlaubnis bitten, eine Datei zu löschen.

User werden so zu Managern, die dem Coding-Agenten mitteilen, was zu tun ist und ihn dabei kontrollieren.

Vibe Coding ist also Softwareentwicklung, bei der man mit natürlicher Sprache beschreibt, was für ein Programm man will, ohne dies selbst in Code übersetzen zu müssen.

Weltweit erste Studie zu Vibe Coding

Theo Weidmann, Vibe-Coding-Experte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, hat in einer Studie untersucht, welche Fähigkeiten am besten vorhersagen, wie gut Menschen Vibe Coding beherrschen. Es handelt sich um die weltweit erste Studie zu diesem Thema. Vorgestellt wird sie an der renommiertesten Konferenz für Mensch‑Computer‑Interaktion, der «CHI 26».

Die Resultate zeigen: Entgegen dem Eindruck, den der Hype in den sozialen Medien erweckt, kann nicht einfach jede und jeder erfolgreich Vibe Coding betreiben. Wer damit Erfolg haben will, braucht ein ausgeprägtes technisches Strukturdenken, muss also den Aufbau von Computerprogrammen gut verstehen und zudem über eine präzise schriftliche Ausdrucksfähigkeit verfügen.

Bei Tech-Giganten längst im Einsatz

Auch wenn generative KI, die fürs Vibe Coding notwendig ist, in der Gesellschaft Skepsis auslöst: In der Softwareentwicklung ist sie längst angekommen. Grosse Tech-Konzerne wie Google, Microsoft oder Meta setzen generative KI bereits ein, um Teile ihres Codes zu schreiben.

Schätzungen zufolge war 2025 rund ein Drittel der Codes KI-generiert. Meta-Konzernchef Mark Zuckerberg sagt sogar, dass bei ihnen die Hälfte aller Codes von künstlicher Intelligenz stamme. Was Ängste schürt, dass KI bald vollständig die Rolle von Softwareentwicklerinnen und ‑entwicklern übernehmen könnte. Diese Bedenken relativiert Theo Weidmann jedoch klar: Menschen brauche es auch künftig für die Softwareentwicklung.

Die Rolle des Menschen verändert sich

Das bestätigt auch eine weitere Studie der ETH von Informatikerin April Wang. Die Assistenzprofessorin meint, dass die Branche weiterwachsen werde: «Doch die Rolle der Softwareentwickler wird sich wandeln. Es geht nicht mehr darum Codes zu produzieren, sondern sie zu kontrollieren und die Modelle zu überprüfen, welche die KI generiert hat.»

Ihre Studie zeige, dass erfahrene Softwareentwickler hier mehr Kompetenzen mitbringen würden. Denn kritisches Denken und starke Modelle zu entwickeln, sei wichtiger, als viele Codes zu produzieren.

Keine Garantie fürs schnelle Geld

Und lässt sich mit Vibe Coding tatsächlich auch das schnelle Geld machen? Theo Weidmann winkt ab und gibt zu bedenken, dass die ganzen Programme am Ende auch von jemandem genutzt werden müssen: «Dass man sie einfach erstellen kann, heisst noch lange nicht, dass sie auch den Bedürfnissen der Menschen entsprechen.»

Diskutieren Sie mit:

SRF 1, Einstein, 30.4.2026, 21:05 Uhr

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