Der Frühling ist da und es flattert, pfeift und zwitschert um uns herum. Eine App kann uns auch verraten, wen wir da hören: Mittels KI können sie zwischen tausenden Vogelstimmen unterscheiden und uns so verraten, wer sich im Geäst versteckt.
KI zeigt uns den Vogel
Im Erkennen von Vögeln ist die KI besonders stark, denn hier kommt ihre wichtigste Fähigkeit zum tragen: Unmengen von Daten fressen und daraus selbstständig Muster lernen.
Da der Vogelgesang Menschen schon lange fasziniert, gibt es relativ viele annotierte Daten. Hinzu kommen die freiwilligen Helfer – hunderte Expertinnen und abertausende Hobby-Ornithologen. Sie tragen zu Projekten bei, indem sie in ihrer Freizeit Vogelstimmen aufnehmen und klassifizieren.
Viele Vogelstimmen-Apps funktionieren in zwei Richtungen: Vogelfans profitieren von den Modellen und tragen umgekehrt auch wieder zum Datenpool bei.
Den Naturschutz freuts
Dass diese Apps immer mehr Daten sammeln und immer bessere Modelle trainieren, kommt auch dem Naturschutz zu gute. Forscherinnen und Forscher können so rund um die Uhr ein Gebiet überwachen und registrieren, welche Vögel ein- und ausfliegen. Sogar jene, die sich gerne im Schilf verstecken, bleiben den Mikrophonen nicht verborgen.
So lassen sich nicht nur einzelne Vogelarten überwachen, sondern ganze Ökosysteme. Wird zum Beispiel ein Bach renaturiert kann man messen, wie die Vielfalt der Vogelstimmen zunimmt. Daraus kann man auch Rückschlüsse ziehen auf das Vorhandensein von Insekten oder Fischen, und diese wiederum zeigen die Pflanzenvielfalt und die Wasserqualität an.
Wolfgeheul und Walgesang
Die KI kann nicht nur Vogelstimmen erkennen, das selbe Prinzip lässt sich auch auf andere Tierarten anwenden. So kann das Schweizer Startup Synature 15'000 Arten identifizieren – neben Vögel auch diverse Säugetiere wie Fledermäuse oder Orang-Utans, Insekten und Amphibien. Begonnen hat alles 2021 mit den Wölfen: diese lassen sich mit wenigen Mikrophonen besser überwachen als mit unzähligen Fotofallen.
Synature versucht auch, Rufe innerhalb einer Art zu unterscheiden: handelt es sich um ein ausgewachsenes oder ein Jungtier? Sendet es Stresssignale? Tiere zu verstehen, davon ist man allerdings noch weit entfernt - viele Tierrufe sind schliesslich auch nur das: Rufe und keine Sprache.
Eine Ausnahme bilden möglicherweise Pottwale. Sie verständigen sich mit rhythmischen Klicks, die ein bisschen wie Morsecode klingen. Seit über 40 Jahren wissen Forscherinnen und Forscher, dass diese Wale Muster bilden aus je 4-30 Klicks, sogenannte «Codas». Nun ist ein fünfzigköpfiges Team dabei, diese Codas in eine KI zu füttern. Bisher konnten so 156 Codas (Klickmuster) identifiziert, ein Walalphabet aufgestellt und weitere Feinheiten der Walsprache aufgedeckt werden. Bedeutungen konnten bisher noch nicht zugeordnet werden.