Die Forschenden verstehen erst gar nicht, was sie da zufällig filmen, als sich eine Gruppe von Pottwal-Weibchen eng zusammendrängt. Mit Drohnen und Unterwassermikrofonen werden sie Zeugen der Geburt eines Pottwalbabys und dokumentieren diese so detailliert wie nie zuvor.
Die Geburt ereignete sich bereits im Juli 2023 vor der Insel Dominica in der Ostkaribik. Wie koordiniert und fürsorglich die Pottwale dabei vorgingen, zeigen nun zwei Studien in den Journalen «Science» und «Scientific Reports».
Mit Einleitung der Geburt umringen zehn Artgenossinnen die werdende Mutter und kontrollieren in kurzen Tauchgängen ihren Unterleib. Nach 34 Minuten tritt plötzlich viel Blut ins Wasser – und damit auch das Kalb.
Innert kürzester Zeit heben die Geburtshelferinnen das Kalb dann aus dem Wasser heraus. Diese Unterstützung ist vermutlich überlebenswichtig für das Neugeborene, das die Luft zum Atmen braucht.
Legende:
Das Kalb wird nach der Geburt mehrfach aus dem Wasser gehoben.
Project CETI
Die Mühe hat sich gelohnt: Ein Jahr nach der Geburt sichten die Forschenden den jungen Pottwal gemeinsam mit seiner Halbschwester und seiner Tante.
Legende:
Die Pottwale Aurora, Atwood und Accra unter Wasser, nahe der Insel Dominica in der Ostkaribik.
Brian J. Skerry/National Geographic
Mehr als ein Familienereignis
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Bei der Geburt halfen nicht nur Grossmütter, Mütter, Schwestern und Töchter der Familie des Neugeborenen mit. Auch Mitglieder eines anderen Familienverbundes beteiligten sich aktiv an der Geburt. Eine aussergewöhnliche Kooperation, denn die beiden Sippen treffen sonst nur selten aufeinander.
Eine so stark koordinierte Geburtshilfe galt lange als charakteristisch für Menschen und ihre nahen Verwandten. Im Tierreich wurde das bisher nur bei wenigen Primaten beobachtet.