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Flatulenz erforschen Wie oft furzen wir wirklich?

Eine «smarte Unterwäsche» liefert erstmals genaue und überraschende Zahlen von täglichen Blähungen.

Sie sind mal laut, mal leise, mal riechen sie, mal bleiben sie unentdeckt: Blähungen. Wie oft uns solche Winde entweichen, konnte bislang nicht präzise gemessen werden. Also ist noch völlig unklar, was ein «normales» Mass an Blähungen ist.

Das Team um den Darmbiologen Brantley Hall hat deshalb ein kleines Gerät entwickelt, das Pupse misst. Es wird an einer normalen Unterhose befestigt. Ein Sensor im Gerät misst den Wasserstoff im Darmgas. Dieser Wasserstoff wird ausschliesslich von Darmbakterien produziert und zeigt an, wann und wie oft wir pupsen. Und damit auch, wann und wie aktiv das Mikrobiom ist.

Die Vermessung der Pupse – ein Novum

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Ärzte haben es schwer, Personen mit Flatulenz-Beschwerden zu helfen. Sie können eine subjektiv empfundene übermässige Gasbildung weder objektiv dokumentieren, noch einordnen.

Für Blutzucker, Cholesterin und zahlreiche andere physiologische Messwerte gibt es Normbereiche – für Blähungen jedoch nicht.

Bisherige Schätzungen über die Häufigkeit basierten oft auf Selbstberichten. Die sind fehleranfällig, besonders nächtliche Gasaustritte sind kaum protokollierbar und werden übersehen.

Andere Schätzungen stützen sich auf invasive Methoden in kleinen Stichproben.

Erste Ergebnisse einer Studie an 19 Menschen zeigen: Gesunde Erwachsene pupsen im Schnitt 32 Mal pro Tag – grob doppelt so oft wie bislang in der Fachliteratur angenommen. Die Spannweite reichte in der Studie von 4 bis 59 Ereignissen täglich.

Dank Furzen das Mikrobiom besser verstehen

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«Wir haben enorm viel darüber gelernt, welche Mikroben im Darm leben – aber weniger darüber, was sie in einem bestimmten Moment tatsächlich tun», sagt Studienleiter Brantley Hall.

Das Wasserstoffgas, das durch den mikrobiellen Stoffwechsel im Darm entsteht, ermöglicht auch eine kontinuierliche Überwachung des Mikrobioms. So kann untersucht werden, wie schnell und wie variabel Mikroben auf Ernährungsumstellungen reagieren.

Messungen von Stoffwechselprodukten wie kurzkettige Fettsäuren im Stuhl oder Blut liefern bereits Einblicke in die mikrobielle Aktivität. Doch ist die Probenahmefrequenz stark begrenzt. Auf diese Art lässt sich nicht stundenweise beobachten, wie Darmmikroben auf Nahrungsbestandteile und Umweltveränderungen reagieren.

Um eine verlässliche Datenbasis zu schaffen, startet das Forschungsteam das Projekt «Atlas menschlicher Blähungen». Hunderte Erwachsene in den USA sollen teilnehmen, um typische Muster der Darmgas-Produktion zu erfassen.

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